Paul Zsolnay Verlag, Wien 2026
ISBN
9783552075054 Gebunden, 496 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Kroatischen von Matthias Jacob und Rebekka Zeinzinger. Slobodan Šnajders Porträt über eine willensstarke und kämpferische Frau - ein Panorama der jugoslawischen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts1941 Okkupation. 1945 Befreiung. 1991 Zerfall: Die Stadt Zagreb, ein zweistöckiges Mietshaus im Zentrum und die Schicksale seiner Bewohner stehen im Mittelpunkt von Slobodan Šnajders Roman, der die Geschichte Jugoslawiens, ja des ganzen Balkans erzählt: Im oberen Stockwerk residiert Professor Gavranić, ein Homme de Lettres und Menschenfreund, unter ihm Frau Blavatsky, in deren Wohnzimmer es zuweilen übersinnlich zugeht, im Souterrain haust Mile, ein von Mussolini trainierter Ustascha der ersten Stunde, schließlich das Findelkind Anđa Berilo in der Dachkammer, das sich als Dienstmädchen verdingt und zur Partisanin und gemeinsam mit dem Haus selbst zur Erzählerin eines ganzen Jahrhunderts wird."Engel des Verschwindens" zeigt Mitteleuropa als Geschichts- und Geschichtenpanorama einer Welt, die im Großen wie im Kleinen aus den Fugen gerät.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.04.2026
Rezensent Jan Koneffke deutet den Roman von Slobodan Snajder als Trauergesang über die Opfer der Umbrüche in der neueren kroatischen Geschichte. Vordergründig allerdings ist der Text lebendig, voller Figuren und Stimmen, so Koneffke, der die kluge Komposition lobt. Indem er einige Häuser und deren Bewohner in der ältesten Straße Zagrebs in den Blick nimmt, schlägt der Autor laut Koneffke einen großen Bogen von frühen Neuzeit bis in die Gegenwart und lässt mehrere Erzähler auftreten. Die Gewalttätigkeit der Geschichte kann der Autor oft nur mit Sarkasmus, Ironie oder Poesie kontern, erkennt Koneffke.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.03.2026
Rezensent Norbert Mappes-Niediek arbeitet sich interessiert durch dieses Großwerk des vor allem als Dichters bekannten Autors Slobodan Snajder. Der legt hier einen Roman über ein Mietshaus in Ljubljana vor, dessen Bewohner drei politische Systeme und mehrere Jahrzehnte erleben. Eine ganze Reihe von Figuren lernen wir bei der Lektüre kennen, einen Juden, der Selbstmord begeht, um nicht in die Hände der Gestapo zu fallen, einen opportunistischen Söldner, einen Professor und viele mehr. Immer wieder geht es auch um Krieg und Tod in diesem Buch, wobei gleichzeitig eine utopische Figur namens Anđa vorkommt, als Hauptfigur gar. Im Leben dieser Anđa, einer Hausangestellten, spiegelt sich auch, glaubt Mappes-Niediek, die sozialistische Utopie, die trotz ihres historischen Scheiterns womöglich noch nicht ganz erloschen ist. Mappes-Niediek jedenfalls packt sein Buch randvoll mit originellen philosophischen Gedanken, Anspielungen und Allegorien, die trotz einiger Erklärungen, die die Übersetzer Matthias Jacob und Rebekka Zeinzinger beifügen, nicht immer leicht zu entschlüsseln sind, gesteht der Rezensent ein. Aber die Mühen scheinen sich zu lohnen.
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