Karl-Markus Gauß

Zwanzig Lewa oder tot

Vier Reisen
Cover: Zwanzig Lewa oder tot
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2017
ISBN 9783552058231
Gebunden, 208 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Karl-Markus Gauß ist wieder auf Reisen gegangen, in Osteuropa und auf dem Balkan. In Moldawien, dem ärmsten Staat des Kontinents, hat er sich mit der "moldawischen Sehnsucht" infiziert, der Sympathie für Land und Leute. In Bulgarien erkundet er ein anderes Land als jenes, von dem uns immer wieder schlechte politische Nachrichten erreichen. Und in Zagreb entdeckt er das Wechselspiel von Erinnern und Vergessen, das die nationale Kultur von Kroatien prägt. In der Vojvodina schließlich, einst ein Europa im Kleinen, begibt er sich auf die Spur seiner donauschwäbischen Mutter.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.05.2017

Norbert Mappes-Niediek geht gern mit Karl-Markus Gauß auf Reisen. Wenn der Autor in die Republik Moldau, nach Zagreb, Wojwodina und Bulgarien fährt, kann er sicher sein, einem wachen und auf Überraschung gefassten Flaneur zu folgen, der die Spuren der Geschichte sucht und aufdeckt, wohlwollend und dezent Menschen beobachtet, ohne sie je lächerlich zu machen oder sich anzubiedern, und bei Bedarf doch eine feine sprachliche Ironie in Form von Thomas-Mann-Sätzen pflegt. Reist dieser Herr mit Kavaliersstöckchen, fragt sich der Rezensent. Doch dann fordert der Autor plötzlich seinen Gastgeber heraus, indem er sich nach den verachteten Roma erkundigt oder für die ermordeten Juden aus der Wojwodina, und Mappes-Niedek ist wieder überrascht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2017

Gerhard Melzer schätzt die Reiseberichte von Karl-Markus Gauß wegen ihres dezidiert subjektiven Zugangs, der persönlichen Aneignung historischer, gesellschaftlicher und kultureller Wirklichkeit, dem Wechsel von Geschichte und Geschichten. Ob in der Republik Moldau oder in Zagreb, immer stößt der Autor mit diesem tastenden Blick laut Melzer auf multiple Welten, Mehrdeutigkeiten und Widersprüche anstatt auf dokumentarische Objektivität. Der Formmix aus Reportage, Anekdote, Geschichtsschreibung und Kulturkritik passt gut dazu, findet Melzer, und ebenso der Umstand, dass Gauß sich literarische Gewährsleute zulegt, wenig bekannte zudem, und in der Fremde eigene Erinnerungen aufleben lässt.

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