Aus dem Polnischen von Simone Falk. Stanislaw Strasburger überschreitet in "Besessenheit. Libanon" bewusst die Grenzen der literarischen Gattungen. Ausgehend vom liberalen Libanon sucht er nach den historischen und politischen Wurzeln für die Diskurse im und über den heutigen Nahen Osten, aber zugleich weitet und verdichtet er seinen Bericht mit den fiktionalen Mitteln des Romanciers. Denn gerade in der Partikularität der Ereignisse und ihrer Wahrnehmung, in Vorlieben, Gefühlen, Ängsten und Beziehungen zu anderen erschließt sich für den Autor eine Gesellschaft. "Besessenheit. Libanon" spielt in den Jahren zwischen 2006 und 2014 in Warschau, Köln und Beirut. Im Mittelpunkt stehen der Ich-Erzähler, ein polnisch-deutscher Reporter, seine Freundin, eine ukrainische Mathematikerin und Tänzerin aus Köln, und eine libanesisch-armenische Pharmazeutin aus Beirut. Mittels der verschachtelten Dreiecksgeschichte erzählt Strasburger von Träumen, Leidenschaften und Lebenszielen in den unterschiedlichen kulturellen Settings und entwirft damit ein Bild des Nahen Ostens, das der Fiktion ebenso entspringt, wie es den erlebten und recherchierten Fakten entspricht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.08.2016
Stefan Weidner lobt den polnischen Weltbürger Stanisław Strasburger für seinen mutigen Ansatz. Dem Versuch, am Beispiel von Libanon ein Panorama west-östlicher Verstrickungen zu zeichnen, ringt der Autor laut Weidner mit Hilfe einer zunächst harmlosen Figurenkonstellation, dann aber mit explosionsartigen Assoziationen, Erlebnissen und Recherchen, die Strasburger an der Grenze zwischen Fakt und Fiktion entwickelt, Erkenntnisse ab, die den Rezensenten begeistern. Zwischen Zeiten und Orten hin und herspringend, kommt der Text Weidner wie ein Kaleidoskop vor. Statt einer systematischen Darstellung der libanesischen Geschichte bekommt er ein nur entfernt noch an Traditionalisten wie Ryszard Kapuściński erinnernden achronologischen, doch subtil herausgearbeiteten Strauß von Perspektiven auf das Land.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…