Kognitionswissenschaftler suchen durch die Erforschung der Hirntätigkeit, durch Systeme der Informationsverarbeitung Bewusstsein und Bewusstseinszustände im Rahmen einer naturalistischen Theorie des Geistes zu erklären. Wie können naturwissenschaftlich ausgerichtete Forschungen mir irgendeinen Aufschluss über meine Empfindungen, Gefühle, Einfälle, Absichten, Gedanken oder Zweifel geben? Was ist, was nur ich habe und nur ich verlieren kann, mein Leben? Was weiß ich von mir, von dir, von der Welt, und was ist zu wissen mir nicht möglich? Muss nicht der kognitionswissenschaftlichen Betrachtungsweise eine philosophische Untersuchung über phänomenale Erfahrungen des eigenen Erlebens entgegengesetzt werden?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2003
Die Rezensentin Manuela Lenzen ist skeptisch und sogar irritiert von Steen Olaf Weldings Stellungnahme gegen die Kognitionswissenschaften und deren Anspruch, dem menschlichen Geist auf die physiologische Spur zu kommen. Für Welding sei der Geist schlicht "unerkennbar", und zwar unbedingt, denn zwischen "Geist, Empfindung, Bewusstsein, subjektivem Erleben" und deren "wissenschaftlicher Beobachtung" müsse es zwangsläufig die berühmte "Erklärungslücke" geben. Dabei verweise Welding auf die Tatsache, dass man bei der Erforschung des menschlichen Geistes immer auf den Bericht der Testpersonen angewiesen sei, die keinen Einblick in den Schritt von Wahrnehmung zur Empfindung ermöglichten, die also im wissenschaftlichen Sinne kein "Wissen" darstellten: "Wissen, das man nicht belegen kann, ist keins." Ab diesem Punkt wird die Rezensentin skeptisch, schließlich könne man "über mentale Zustände reden". Und vielleicht seien Begriffe wie richtig und falsch keine tauglichen Kategorien in der Einschätzung solcher Berichte. Welding selbst, so Lenzen, kommt auch auf den Prozess der "kognitiven Aufklärung" zu sprechen, der das Erleben zum Erkennen wandle. Was genau dabei abläuft, findet Lenzen, bleibt in Weldings Darlegungen "dunkel". Letztlich rühre die Irritation weniger von Weldings These des unerkennbaren Geistes her als von seiner oberflächlicher Handhabung des Gegenstands - vieles sei ihm einfach zu "offensichtlich" und so gerate das ganze Unterfangen, das als "Abrechnung mit der Kognitionswissenschaft" gedacht sei, zur Banalität.
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