Gut drei Jahrhunderte trennen die Ereignisse dieser beiden Novellen, sie führen nach Spanien und zeigen Menschen in unerträglichen Gewissenskonflikten. Da ist der ehemalige Padre, der als Matrose und Kriegsgefangener in seine einstige Zelle in dem zum Gefangenenlager umfunktionierten Kloster zurückkehrt. Die schöne Phantasiewelt Utopia, ein Traumbild jener Jahre, taucht wieder vor ihm auf. Jetzt aber soll er dem Lagerkommandanten Absolution erteilen für dessen Kriegsverbrechen - und hätte die Gelegenheit, ihn zu ermorden ...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2006
Dass Stefan Andres heute noch ein Begriff ist und als wichtiger Vertreter der inneren Emigration gilt, verdankt sich vor allem den beiden Erzählungen dieses Bandes, teilt Tilman Spreckelsen mit. In "Wir sind Utopia" soll ein Inhaftierter während des Spanischen Bürgerkriegs seinem Wärter die Beichte abnehmen, in der zweiten Erzählung soll ein Maler den Diktator des Landes malen, es geht also um Existenzmöglichkeiten unter Diktaturbedingungen, fasst der Rezensent interessiert zusammen. Er findet es fast unglaublich, dass es Andres gelungen ist, diese Texte im nationalsozialistischen Deutschland zu publizieren, wobei er betont, dem Autor gehe es um mehr, als nur Kritik an den herrschenden Verhältnissen zu üben, nämlich um grundsätzliche philosophische Fragen. Insbesondere die Landschaftsbeschreibungen dieser Texte, die ihn in ihrer "ungeheuren Anspannung" stark an Adalbert Stifter erinnern, beeindrucken den Rezensenten sehr und er sieht in ihnen den Versuch des Autors, eine allzu glatte Rezeption der Geschichten zu verhindern und so die Aufmerksamkeit der Leser für das Eigentliche zu schärfen.
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