Stefan Finger

Franz Josef Strauß

Ein politisches Leben
Cover: Franz Josef Strauß
Olzog Verlag, München 2005
ISBN 9783789281617
Gebunden, 555 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Franz Josef Strauß ist eine der faszinierendsten und zugleich umstrittensten Gestalten der deutschen Nachkriegspolitik. Im Mittelpunkt der Biografie steht die Frage, aus welchen Gründen Strauß trotz seiner überragenden Fähigkeiten niemals Bundeskanzler geworden ist. Daneben widmet sich die Biografie auch wichtigen Ereignissen wie der Rhöndorfer Konferenz, der mysteriösen "Spiegel"-Affäre, der (absichtlich) missverstandenen Sonthofen-Rede, Strauß? Rolle im "Deutschen Herbst" und dem geheimnisvollen "Milliardenkredit". Besonders hervorzuheben sind 22 Interviews mit Weggefährten, Familienmitgliedern und Opponenten wie beispielsweise Egon Bahr, Norbert Blüm, Hans-Dietrich Genscher, Monika Hohlmeier, Wilfried Scharnagl, Gerd Schmückle, Gerold Tandler, Horst Teltschik, Theo Waigel und Friedrich Zimmermann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.11.2005

Nach Michael Stillers ungnädigem Urteil, kann man diese Biografie Franz Josef Strauß' von Stefan Finger getrost "vergessen". Bei diesem Buch handelt es sich eher um eine "Art Schutzschrift" als um eine Lebensbeschreibung, meint der Rezensent, der sich sicher ist, dass das Buch nicht einmal Strauß selbst zugesagt hätte. Ausschließlich über den "guten Strauß" wollte Finger schreiben, und aus Mangel an neuem Material und den "Fähigkeiten zur Durchdringung dieses phänomenalen Menschen", entsteht dadurch ein "einseitiges", häufig "kolportagehaftes" Buch, meckert Stiller. Affären werden bei ihm entweder ausgespart oder in Parteinahme für den Politiker dargestellt, dessen Verstrickungen in die Schreiber-Affäre oder die politischen Abstürze seiner Kinder bezeichnenderweise überhaupt nicht erwähnt werden, so der Rezensent ärgerlich. Zudem überschwemme der Autor seinen Text mit einer derartigen Flut von Zitaten, dass der Leser mitunter zwischen Fingers und fremden Äußerungen kaum unterscheiden könne, so der verärgerte Stiller weiter. Alles in allem ein "blutleeres" Buch, lautet das abschließende Urteil eines vollkommen unzufriedenen Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2005

Einen zwiespältigen Eindruck hat Stefan Fingers Biografie über Franz Josef Strauß bei dem hier rezensierenden Hans-Jochen Vogel hinterlassen. Er sieht in dem enorm umfangreichen, sich auf Interviews und viele bereits erschienene Veröffentlichungen stützendem Werk ein "merkwürdiges Buch". "Merkwürdig", weil es sich einerseits durchgängig um die Verteidigung und Rechtfertigung fast aller politischen Aktivitäten und Stellungnahmen von Strauß bemühe, andererseits Strauß' Persönlichkeit mit "kritischer Offenheit" begegne. So hebe Finger zwar die positiven Eigenschaften des Politikers hervor, gebe aber auch viele "negative Wertungen" ab, die "zum Teil in ihrer Schärfe überraschen". Detailliert geht Vogel auf die zahlreichen Skandale um Strauß ein, die auch bei Finger "ausführlich erörtert" werden. Wobei er anmerkt, dass Fingers Darstellungen meist mit der Feststellung enden, aus heutiger Sicht sei Strauß eigentlich nichts vorzuwerfen. Der SPD-Politiker Vogel versäumt es nicht, die unbestrittenen Leistungen seines ehemaligen politischen Gegners zu würdigen. Alles in allem erblickt er in Fingers Biografie eine "detaillierte Arbeit", die einerseits informiere, andererseits zur Kritik und zum Einspruch herausfordere, die nicht allzu viel Neues biete, Strauß aber wieder ins Bewusstsein rufe.
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