Theodor Reismann-Grone war zusammen mit Alfred Hugenberg Gründer des Alldeutschen Verbandes, der "Speerspitze" des völkischen Nationalismus im Kaiserreich. Bis in den Ersten Weltkrieg hinein blieb er einer seiner einflussreichsten Exponenten. Auch der junge Hitler rezipierte seine antisemitisch-imperialistischen Schriften. Als Publizist und Zeitungsverleger führte Reismann-Grone nach 1918 einen erbitterten Kampf gegen die Weimarer Republik. Seine Blätter zählten zu den radikalsten der bürgerlichen Rechten im Reich. 1933 wurde er der erste NS-Oberbürgermeister der Stadt Essen. In dieser Funktion sorgte er für die Vertreibung Paul Klees aus Deutschland. 1937 musste er wegen einer Steueraffäre zurücktreten. Stefan Frech legt nun die erste Biographie dieses "Wegbereiters Hitlers" (wie er selbst sich sah) vor.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2009
Eberhard Kolb nimmt Stefan Frechs Biografie des Alldeutschen Theodor Reismann-Grone mit Interesse auf, schließlich sei dieser selbst in Expertenkreisen noch relativ unbekannt. Dabei gehörte er zu jenen "geistigen Brandstiftern", deren Namen man sich durchaus merken sollte: Reismann-Grone entstammte einer Industriellenfamilie aus dem Emsland und entwickelte schon als Student sein antisemitisches und radikalnationalistisches Weltbild. 1891 gründete er mit Alfred Hugenberg den Alldeutschen Verband, der unerbittlich gegen das politische Establishment agitierte. 1894 übernahm er als Chefredakteur die Rheinisch-Westfälische Zeitung und machte sie zum Sprachrohr seiner paranoiden Vorstellungen. Dass Hitler es diesem Mann gar nicht dankte, findet bei Kolb wenig Bedauern: Gerade mal Bürgermeister von Essen durfte er werden, bis er wegen Steuerhinterziehung abgesetzt wurde.
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