Mit 50 Abbildungen. Unter dem Titel "Fake" konstatiert Stefan Römer in der Kunst eine fundamentale Umstrukturierung des Originalbegriffs seit den siebziger Jahren. Sein Buch zeigt auf, dass für zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler die Fälschung nicht mehr das Obskure als Gegenbild zum Echten und Wahren bezeichnet, sondern als Strategie durchaus positiv besetzt sein kann. Augenzwinkernd präsentieren sie Originale, die deutlich erkennbar ein Vorbild reproduzieren. Diese fundamentalen Veränderungen in der künstlerischen Strategie provozieren zugleich einen Paradigmenwechsel in der Kunsttheorie. Stefan Römer analysiert diesen Wandel im Kunstverständnis und legt die mit dem Fake verbundene Kritik an der traditionellen Ideologie von Original und Fälschung offen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.09.2001
Stefan Römer geht es um die Einführung der genauen Unterscheidung von Fälschung und Fake. Am Beispiel der Künstlerin Sherry Levine, die Fotos von Walker Evans (nur scheinbar) unverändert unter dem Titel "Sherrie Levine After Walker Evans" ausstellte, zeigt er, dass sich durch die veränderten Umstände fast alles verändert hat. Für diese Form der Konzeptkunst, die auch als Appropriation art bezeichnet wird, wählt er den Begriff Fake. Die Absicht von Fake-Kunst, mit den Worten der Rezensentin Christine Meixner: "Statt Kunstgenuss bietet sie Einsichten in die Kunst" als Institution. Insgesamt ist Meixner sehr einverstanden mit den Thesen von Römers Dissertation, einzig die "Risiken" der Fake-Kunst kommen ihr zu kurz. Schließlich ist auch die Kritik längst zum "Fetisch des Kapitals" geworden.
Wie eine "Denksportaufgabe für Dekonstruktivisten" liest sich für Harald Fricke teilweise die knapp 300 Seiten lange Abhandlung Stefan Römers über "Fake" als besonderes Stilmittel der Kunst der 80er Jahre. Fake, die bewusste Kopie, stellt das Konzept von Originalität insgesamt in Frage, führt Fricke aus, ist also stets eine "Beobachtung zweiter Ordnung", der es nicht etwa um eine gefälschte Sicht auf die Wirklichkeit gehe, sondern um die Frage, inwiefern ein Bild überhaupt Authentizität und Wirklichkeitsbezug für sich in Anspruch nehmen könne. Solcherlei Überlegungen führen allerdings, meint Fricke, "in die Irre der Subversion", da gebe es nicht mehr ein Original und eine Fälschung, sondern eine Vielheit an Bildern und Zeichen. Römers Postulat vom "Fake als künstlerischer Strategie" steht Fricke in Zeiten der kapitalistischen Ausnutzung jeder Strategie skeptisch gegenüber.
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