Stefan Zweig

Clarissa

Romanfragment. Salzburger Ausgabe
Cover: Clarissa
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2024
ISBN 9783552058798
Gebunden, 304 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Simone Lettner und Werner Michler. In seinen letzten Lebensmonaten im brasilianischen Exil arbeitete Stefan Zweig an seinem dritten Roman. Die Wiener Offizierstochter Clarissa Schuhmeister sucht ihren eigenen Weg in den Wirren der Zeit: das Wien um 1900, der Untergang der Monarchie, Weltkrieg und Pazifismus, Mutterschaft und Politik. "Die Welt von Gestern" und die "Schachnovelle" konnte Zweig noch abschließen, die Fertigstellung von "Clarissa" scheiterte jedoch an der "Unfreiheit meiner Existenz" (Zweig). Mehr als achtzig Jahre später wird das Manuskript zum ersten Mal in einer textkritisch aufbereiteten Fassung ediert. Der Band bietet damit auch einen unverstellten Einblick in die Arbeitsweise des "Weltautors Stefan Zweig".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2025

Unheimlich wird es Rezensentin Aurelie von Blazekovic, wenn sie sich in diese Neuedition des Romanfragments "Clarissa" von Stefan Zweig vertieft. Wie Zweig hier das plötzliche Einbrechen des Ersten Weltkrieges in eine Welt beschreibt, die sich in ihrer "scheinbaren" Zivilisiertheit sicher fühlt, weckt dunkle Ahnungen an die heutige Situation. Clarissas Vater ist Oberstleutnant im k. u. k. Generalstab und warnt frühzeitig vor der Gefahr des herannahenden Krieges - leider hört ihm niemand zu. Clarissas "geschützte Jugend" in Wien ist jedenfalls vorbei, so die Kritikerin, sie wird Assistentin von Professor Silberstein, eines Pädagogen. Später beginnt sie eine Affäre mit dem französischen Kongress-Sekretär Léonard, die durch den Krieg bedroht ist. "Maximal umsichtig" geht die neue Edition mit dem fragmentarischen Charakter des Werkes um, alle Änderungen oder Hinzufügungen werden sorgfältig gekennzeichnet, so die Kritikerin. Die bisher einzige bei S. Fischer erschienene Edition wird dagegen von den Herausgebern kritisiert, erklärt Blazekovic, da sie Änderungen kaum kennzeichnete. Man erhält durch diese Ausgabe also auch interessante Einblicke in Zweigs Arbeitsweise, beziehungsweise in die letzte "produktive Phase" vor seinem Freitod, schließt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.11.2024

Stefan Zweig nahm sich 1942 in seinem brasilianischen Exil das Leben, seinen letzten Roman konnte er nicht mehr vollenden, erzählt Rezensent Dirk Fuhrig. Jetzt liegt "Clarissa" als Fragment in der Salzburger Zweig-Ausgabe vor. Die Romanhandlung entfaltet sich vor der Kulisse des Ersten Weltkriegs, die Protagonistin Clarissa verliebt sich 1914 in einen Franzosen, wird schwanger von ihm und schiebt das Kind in ihrer Not einem anderen, einem Kriegsheimkehrer unter, verrät Fuhrig zur Handlung. Das Fragment bricht nach einigen Überlegungen zu der Zeit nach Kriegsende ab, der Franzose Léonard versucht wieder Kontakt aufzunehmen, aber es ist zu spät, Clarissa hat sich zu sehr in ihre Lebenslüge verstrickt, erfahren wir. Auch wenn der Kritiker natürlich frustriert ist, dass der Roman kein Ende hat, überwiegt für ihn der "Charme des Unfertigen", der ihn erkennen lässt, dass Zweig mit der Geschichte über eine Konventionen brechende Bürgertochter noch einmal Großes vor hatte.

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