Philipp Ther

Der Klang der Monarchie

Eine musikalische Geschichte des Habsburgerreichs
Cover: Der Klang der Monarchie
Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518432464
Gebunden, 564 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Kooperation mit der Musik-Streaming-Plattform Idagio: Per QR-Code drei Monate kostenloser Zugriff auf die behandelten Musikbeispiele, inklusive erstmals eingespielter Stücke. Die multinationale k.u.k. Monarchie stieg seit dem späten 18. Jahrhundert im Konzert der Großmächte unaufhaltsam ab und stand intern vor tiefen Zerreißproben. Doch die Habsburger rappelten sich immer wieder auf, überstanden Napoleon, einen Staatsbankrott, die Revolution von 1848 sowie die Niederlagen gegen Italien und Preußen. Haydn, Mozart und Beethoven hielten das weite Reich ebenso zusammen wie seine Walzerkönige, Operettenfürsten und Militärkapellmeister. Der "Habsburg-Pop" erreichte die Massen und wurde zu einem globalen Exportartikel. Das Habsburgerreich hummte und summte, sang und tanzte, wirbelte und trommelte und ging erst unter, als seine musikalischen Mittel im Großen Krieg versagten. Musik ist ein Motor der Geschichte, und Philipp Ther nutzt sie als historische Quelle. Der "sozialhistorische Prosakünstler" (Gustav Seibt) blickt auf das enge Verhältnis von Macht und Musik und zeigt, wie Walzer, Polka und die Vorläufer des Austro-Pop den Staat zusammenhielten. Die Habsburgermonarchie mag 1918 untergegangen sein, so Ther, doch das Reich der Musik lebt weiter.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.12.2025

Das Fazit fällt zwar einigermaßen gnädig aus, tatsächlich aber lässt Rezensent Helmut Mauró nicht allzu viele gute Haare an diesem Buch Philipp Thers über die Rolle der Musik für die Habsburgermonarchie. Ther ist gelernter Historiker, in Sachen Musikwissenschaft allerdings nicht allzu kundig, was für Mauró das Hauptproblem der in einem erzählerischen Tonfall gehaltenen Studie ist. Inhaltlich geht es unter anderem um Haydn, der als Hausangestellter bei den Fürsten Esterházy begann, dann aber weggespart wurde, nach England ging und sich dort eine Unabhängigkeit erarbeitete, von der später unter anderem Mozart und Beethoven profitierten, resümiert Mauro. Nicht allzu gut gelinge es Ther, findet der Rezensent, derartige historische Beschreibungen mit einer Analyse des musikalischen Materials zu verbinden. Besonders stört sich Mauró an den ungenauen und teils ahistorischen Überlegungen zu Sprache und Musik sowie zur Rolle der Programmmusik, auch Passagen über komponierende Frauen haben nicht allzu viel Neuigkeitswert, findet der Kritiker. Positiv hebt er immerhin die einigermaßen differenzierte Darstellung der politischen Rolle Beethovens hervor, den Ther als einen konservativen Militärkomponisten bezeichnet. Und außerdem ist das Buch materialreich, fügt Mauró hinzu. Man kann auf Thers Arbeit also aufbauen, meint Mauro.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.12.2025

Rezensent Matthias Arning staunt, wie die Musik wie der zur Schlacht aufgespielte Radetzky-Marsch und Komponisten wie Strauss, Haydn und Mozart die Habsburgermonarchie begleitet und geprägt haben. Den Perspektivwechsel auf die Historie, den der Osteuropahistoriker Philipp Ther aus eigenem Anlass vorschlägt, nämlich eine Sicht auf die Monarchie, ihre Macht und ihre Gesellschaft durch die Musik, findet Arning originell und anregend. Nicht zuletzt, da die 10 Kapitel mit 60 per QR-Code zugänglichen Audiobeispielen illustriert werden. Für Arning ein Erlebnis der besonderen Art mit überraschenden Wendungen und Erkenntnissen.  

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.2025

Nicht in jeder Hinsicht glücklich wird der hier rezensierende Historiker Martin Rempe mit diesem Buch, das ihm dennoch viele interessante Einblicke ins Musikleben der Habsburgermonarchie bietet. Gut gefallen Rempe die Passagen, in denen Autor Philipp Ther den Bezug von Komponisten zur Politik direkt deutlich macht, etwa im Fall Beethovens, der im Krieg des Reiches gegen Napoleon militaristische Auftragswerke komponierte. Der Rezensent folgt dem Autor eher da, wo er der Musik regressive Züge attestiert, als da, wo er sie mit progressiver Politik attestiert. Die Darstellung, obwohl "gut zu lesen", findet Rempe allerdings etwas konventionell, wenn Ther beispielsweise entlang von Musikerbiografien - Mozart, Beethoven und so weiter - oder Musikstilen erzählt. Außerdem ist sich Rempe nicht ganz sicher, ob es überhaupt so sinnvoll ist, nach dem Nationalcharakter von Musik zu fragen: gerade das multiethnische Habsburgerreich würde ja eher andere Herangehensweisen nahelegen, meint er. Gleichwohl schließt die Besprechung auf einer positiven Note: Rempe würdigt das immense Material, das Ther aufbereitet und freut sich über manche Entdeckung wie die kroatische Komponistin Dora Pejačević.

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