Stefanie Sourlier

Das weiße Meer

Erzählungen
Cover: Das weiße Meer
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783627001735
Gebunden, 170 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Zwei Geschwister haben sich eine zauberhafte eigene Welt geschaffen. Tage- und nächtelang spielen sie am Mondsee, aus dem sie geboren zu sein glauben, sprechen Rosam , ihre eigene Sprache. Als die Geburt eines Geschwisterchens ihre Zweisamkeit zu zerstören droht, fassen sie einen ungeheuren Plan. Mit leisem Unbehagen beobachtet eine Frau während der Sommerferien in Südfrankreich die Annäherung zwischen ihrem Bruder und ihrer Freundin. Als der Bruder beinahe ertrinkt, erinnert sie das Blau des sommerlichen Himmels an die Farbe des Kupfersulfats, mit dem sie sich als Kind das Leben nehmen wollte. Eine junge Frau wandert nach Manchester aus, wartet mit ihrer russischen Mitbewohnerin auf eine bessere Zukunft und begegnet einer Frau, die sie nicht vergessen kann. Die Sehnsucht nach ihr führt sie fast bis an das weiße Meer.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.06.2011

Mit gemischten Gefühlen bespricht Alexandra von Arx Stefanie Sourliers Erzähldebüt "Das weiße Meer". Dabei lobt die Rezensentin die vor allem bei Erstlingswerken durchaus seltene Qualität: Die neun Erzählungen seien durch wiederkehrende Themenkreise und Figuren intelligent aufeinander bezogen, die Kritikerin sieht die neue deutschsprachige Erzählschule einer Judith Hermann hier gekonnt angewendet. Darüber hinaus setze sie filmische Gestaltungsmittel wie hautnahes Heranzoomen oder harte Schnitte sehr gelungen um. Melancholisch, aber nie sentimental schildere Sourlier die beinahe alltäglich wirkenden Todeserlebnisse ihrer Ich-Erzählerin, etwa ihren ersten Selbstmordversuch durch Kupfersulfat. Dennoch muss die Rezensentin nach der Lektüre leider feststellen: Mehr als ein Eindruck von "leichter Schwermut und lähmender Ernsthaftigkeit" bleibt nicht zurück. Zu bekannt und "harmlos" erscheint ihr das Gelesene, auch sprachlich findet sie die Erzählungen leider weder besonders spannend noch "eigenständig". Deshalb erhofft sie sich für den bereits angekündigten Nachfolgeroman etwas mehr Übermut.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.05.2011

Geradezu Sorgen möchte sich Judith von Sternburg nach diesem Erzählungsband von Stefanie Sourlier machen. Ihr stellt sich nämlich die Frage, "wie es nach einem solchen Debüt weitergehen soll". Sourlier erzählt in verschiedenen Geschichten von einer jungen Frau, deren Bruder Paul und einer Reihe Freunde und Freundinnen, die durch ein eher unglückliches Leben, durch Unglücksfälle, Missgeschicke verbunden sind, berichtet Sternburg. Der "komische Freund" nimmt sich das Leben, der Bruder hätte es beinahe getan. Für die Rezensentin kündeten die Erzählungen von einer "atemnehmende Traurigkeit".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.04.2011

Ein vielversprechendes Debüt erblickt Hans-Peter Kunisch in Stefanie Sourliers Erzählungsband "Das weiße Meer". Für ihn hat das Buch etwas von einem Familienroman in Form von Erzählungen. Im Mittelpunkt sieht er eine Bruder-Schwester-Beziehung, die ihre Intensität aus der gemeinsamen Abwehr von feindlicher Umwelt, Eltern und einem dritten, wesentlich jüngeren Kind bezieht. Er schätzt Sourliers genaue Charakterisierungen, ihren Blick für Details und ihre gekonnte Dramaturgie. Doch nicht nur in der Wahl der Mittel findet er die Autorin überzeugend, sondern auch im Blick auf "Tiefe und Eigengesetzlichkeit" dieser Prosa.

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