Stephan Bierling

Die Unvereinigten Staaten

Das politische System der USA und die Zukunft der Demokratie
Cover: Die Unvereinigten Staaten
C.H. Beck Verlag, München 2024
ISBN 9783406821592
Gebunden, 336 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

"E pluribus unum", aus vielem eines: So lautet der Wappenspruch im Siegel der USA. Doch davon ist nicht mehr viel übrig. Die Vereinigten Staaten sind in einem Ausmaß zerstritten und verfeindet wie seit dem Bürgerkrieg nicht mehr. Die Hauptursache dafür ist die parteipolitische Polarisierung, die mittlerweile alle Akteure, Institutionen und Verfahren der amerikanischen Demokratie erfasst hat. Dieses Buch erklärt, wie das politische System der USA funktioniert und woran es liegt, dass es immer weniger funktioniert - mit dramatischen Auswirkungen nicht nur für die USA, sondern auch für die Zukunft der Demokratie und uns alle. Es könnte nicht aktueller sein. Ältere Einführungswerke in das politische System der USA besitzen im Grunde nur noch historischen Wert - so dramatisch haben sich die Zustände in der Supermacht in den letzten drei Jahrzehnten verändert. Dass den Parteien eine geschlossene Programmatik fehlt, sie regional sehr unterschiedlich sind, das Mehrheitswahlrecht moderate Politiker bevorzugt, Präsident und Kongress oft über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten, Bundesrichter überparteilich agieren, checks and balances Angriffe auf die Demokratie wirksam verhindern: All das ist längst überholt oder steht auf der Kippe. Stephan Bierling, einer der besten deutschen Kenner der USA, stellt in diesem Werk Aufbau und Funktionsweise des politischen Systems dar, erklärt die Aufgaben der Institutionen und Besonderheiten wie das Impeachment, Gerrymandering oder Filibuster, aber zugleich geht er dabei stets der Frage nach, warum die Mechanik des Regierens sich so stark verändert hat und wie sich Demokratie heute in den USA real vollzieht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.11.2024

Stephan Bierling beschreibt in diesem Buch in ausgezeichneter Manier, wie die politische Spaltung, die die USA aktuell prägt, entstanden ist, meint Rezensent Majd El-Safadi. Ihre Ursprünge hat sie, so El-Safadi mit Bierling, in Konflikten um "race", Lebensstil und Glaubensfragen, die schon seit vielen Jahrzehnten schwelen. Inzwischen aber, fährt die Rekonstruktion des Arguments fort, haben sich die Differenzen in alle Institutionen der Demokratie eingeschrieben, Republikaner, die vor allem von der ländlichen, weißen Bevölkerung gewählt werden und Demokraten, deren Wähler mehrheitlich in Städten wohnen und oft Minderheiten angehören, bekriegen sich, wo sie nur können und politisieren Verfahrensfragen gnadenlos. Gerade mit Blick auf die kommende zweite Trump-Präsidentschaft ist das Buch eine lohnende Lektüre, findet El-Safadi. Ob sich die in der Verfassung verankerten checks and balances noch einmal bewähren oder die amerikanische Demokratie tatsächlich vor ihrem Zusammenbruch steht, wird freilich erst die Zukunft zeigen, heißt es am Schluss.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2024

Rezensentin Tatjana Heid fühlt sich gut informiert von diesem Buch Stephan Bierlings über die Gründe der ideologischen Spaltung, die das politische Leben der USA prägt. Die Republikaner und die Demokraten, einst durchaus heterogene Parteien, driften immer weiter auseinander, liest Heid, das Problem hat das gesamte politische System erfasst, bis hin zum Supreme Court. Schuld ist keineswegs nur Trump, so der Kritiker, tatsächlich stellen sich die Republikaner schon seit Nixons Zeiten kulturkämpferisch um Themen wie Waffenbesitz auf, auch die Demokraten rücken schon seit einer Weile immer weiter nach links, entfernen sich von Obamas Zentrismus. Was aber dagegen tun? Dazu hat Bierling Heid zufolge nicht gar so viel zu sagen, allerdings gibt es Hoffnungsschimmer, da die Wähler sich nach mehr Mäßigung sehnen und künftige Politikergenerationen möglicherweise auch eher auf Verständigung setzen könnten. Wenn freilich Donald Trump die Wahl 2024 gewinnt, könnte es düster aussehen für die amerikanische Demokratie, befürchtet die Rezensentin nach der Lektüre abschließend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.10.2024

Es gibt doch noch Hoffnung für die US-amerikanische Demokratie, erfährt Kritiker Matthias Kolb erleichtert im rundum gelungenen Einführungsband des Regensburger Politikprofessors Stephan Bierling zum politischen System der Vereinigten Staaten. So lernt Interessantes über "strukturelle Ungerechtigkeiten" wie der Tatsache, dass alle Bundesstaaten ungeachtet ihrer Einwohnerzahl zwei Senatoren entsenden oder der Übermacht des Supreme Courts, der überwiegend mit Republikanern besetzt ist und das auch auf Jahrzehnte so bleiben wird. Bierling gibt Trump große Schuld an der "verkalkten Politik": die Meinungen sind festgefahren, Wechselwähler sind selten geworden. Aber der Autor hat die Hoffnung noch nicht verloren, dass sich das wieder ändert, wenn Trump endgültig nicht mehr Teil der Legislative ist, wie Kolb berichtet. Er empfiehlt den Band sowohl Einsteigern ins Thema als auch Experten.

Buch in der Debatte

9punkt 21.01.2025
Den Faschismus-Begriff würde der Politologe Stephan Bierling nicht auf Trump anwenden, wie er im FR-Interview erklärt, vielmehr sei er ein "Narzisst mit Allmachtsfantasien". Dass er die USA zur Diktatur machen könnte, glaubt Bierling nicht Unser Resümee

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