Klappentext

Maria ist achtzehn und möchte raus aus Portugal. Mitte der Siebzigerjahre bietet das Land einer jungen Frau wenig Perspektiven. Maria aber will nicht heiraten und Kinder kriegen, sie will mehr vom Leben. Als das neue Jahrzehnt anbricht, geht sie nach Berlin, beginnt ein Studium und eine Beziehung mit einem rebellischen Theatermacher, die bald scheitert. Allen Plänen vom unabhängigen Leben zum Trotz findet sich Maria schließlich als Ehefrau und Mutter in der nordrhein-westfälischen Provinz wieder und schaut ihrem Mann Hartmut beim Karrieremachen zu. Lang arrangiert sie sich mit den Verhältnissen, aber als die Tochter erwachsen und auf dem Sprung aus dem Haus ist, trifft Maria eine Entscheidung.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.02.2015

Unmöglich, kurz zu resümieren, was Ekkehard Knörer zu Stephans Thomes "Gegenspiel" alles zu sagen hat. Der Rezensent nähert sich dem Roman von allen Ecken und Ende, vertieft sich in ihn, umkreist ihn und erarbeitet gleich eine ganze Romanpoetik. Wenn Thome also die Geschichte einer Ehe in der Krise noch einmal erzählt, diesmal jedoch nicht aus Sicht des Mannes Hartmut wie in "Fliehkräfte", sondern aus Sicht Marias, dann erkennt Knörer einen im bürgerlichen Bildungsmilieu verankerten psychologischen Realismus, aber einen "Realismus als Ambivalenzkunst", wobei nicht ganz klar ist, wie positiv der Rezensent das meint. Denn bei all den Stärken, die er dem Roman zuspricht - etwa die Differenziertheit, glaubwürdige Charaktere, die ausgenüchterte Sprache -, macht er auch klare Grenzen oder Schwächen aus: eine etwas biedere Provinzialität etwa oder ein unstimmiger Rhythmus.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.01.2015

Für einen Coup hält Rainer Moritz Stephan Thomes Roman, der an den Vorgänger "Fliehkräfte" anschließt, sich aber auch ohne dessen Kenntnis mit Gewinn lesen lässt, wie Moritz versichert. So richtig zum Funkeln bringt den Text jedoch laut Rezensent der Umstand, dass es sich hier um die einzig sinnvolle Darstellung einer Ehekrise handelt, zusammen mit dem älteren Text, der die Sicht des Mannes einnimmt, eine doppelperspektivische nämlich. Gefühlslagen, Erwartungen, Missverständnisse und nicht zuletzt das Aneinander-Vorbeireden in einer Beziehung - nie durfte Moritz all das erkennen als die zwei Seiten einer Medaille. Doch damit nicht genug. So erhellend diese Spiegelung einer Ehe über zwei Romane für den Rezensenten ist, so souverän scheint Moritz der Autor im Erzählerischen, im geduldigen Dialogeschreiben etwa. Abgesehen von der bemerkenswerten Blickerweiterung ist das Buch für Moritz auch einfach ein großer Eheroman.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 24.01.2015

Elmar Krekeler liebt die Unentschiedenheit in dem von Stephan Thome nunmehr aus der Gegenperspektive der Frau erzählten zweiten Teil der Geschichte einer scheiternden Beziehung. Möge dem Autor nicht einfallen, alles in einem weiteren Band aufzulösen, wünscht sich der Rezensent. Denn wenn der Autor den Leser durch die Bundesrepublik der vergangenen Jahrzehnte, nach Spanien und Bergkamen und an den Atlantik führt, den deutschen Mittelstand porträtiert und diese Ehebiografie nüchtern, in präzisen Dialogen erzählt, geht es ihm laut Rezensent vor allem um die Erzählbarkeit von Entwicklungen, geistiger, sozialer, kultureller Natur, oft willkürlich angestoßen. Langweilig kann das sein, peinlich, doch ist es eben auch unerbittlich genau, findet Krekeler.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.01.2015

Meike Feßmann liest den zweiten Teil von Stephan Thomes Szenen einer Ehekrise mit großem Interesse. Dass der Autor, nachdem er in "Fliehkräfte" den Blick des Mannes verhandelt hat, nun die Gegenperspektive der Frau zeigt, scheint ihr ein feiner Zug zu sein. Und mehr noch: Reizvoll wird Thomes Projekt für Feßmann erst richtig, indem sie beide Romane zur Hand nimmt. Besonders die langen Dialoge und die Passagen erlebter Rede im Buch erscheinen ihr als Fundgrube für "Ehe-Philologen" und Fest für den Liebhaber hoher literarischer Kunst. Letzteres, da es dem Autor hier gelingt, wie Feßmann schreibt, geduldige Figurenzeichnung und genaue Zeitdiagnose glücklich zu vereinen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.01.2015

Marie Schmidt kann und will die Begeisterung von Lesern und Kritikern über die zur Schau gestellte Normalität in Stephan Thomes Romanen nicht nachvollziehen. Nur der "therapeutische Nullzustand unserer Gesellschaft" könne es rechtfertigen, dass der Autor jetzt auch noch mit dem zweiten Buch über die Beziehung zwischen einem deutschen Philosophieprofessor und einer portugiesischen Regieassistentin Erfolg haben - auch oder gerade, weil "Gegenspiel" die Geschichte jetzt aus der weiblichen Perspektive aufzieht, die hoffnungslos Klischees bedient, während sie sich ebenso sehr mit dem "fügsamen Abnicken des Gewöhnlichen" begnügt, fasst die Rezensentin zusammen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.01.2015

Stephan Thomes neuen Roman bereitet Judith von Sternburg durch die Kenntnis des Vorgängers mit doppeltes Vergnügen. Einander spiegelnd bergen die beiden Perspektiven (dort des Ehemanns, hier nun der Ehefrau) für die Rezensentin Erkenntnispotenzial (die Paralleluniversen einer Ehe betreffend). Als äußerst realistisch bezeichnet Sternburg den Stil des Autors, der seinen Figuren berichtend bis ins Innere zu folgen vermag, jedoch in aller Stille, wie Sternburg anerkennend feststellt. Dass Thome kein Dialogmeister ist, wie sie schreibt, lässt sich da offenbar verzeihen. Den Roman kann der Leser allerdings auch ganz ohne Kenntnis des Vorgängers lesen, meint Sternburg.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2015

Schwer beeindruckt, aber letztlich nicht restlos befriedigt ist Felicitas von Lovenberg von Stephan Thomes drittem Roman "Gegenspiel". Darin schreibt der Autor seinen zweiten Roman, "Fliehkräfte", fort, genauer gesagt schildert er dessen Geschichte aus einer anderen Perspektive: statt des Bonner Philosophieprofessors Hartmut Hainbach steht nun dessen Frau Maria Pereira im Zentrum, ihr Aufwachsen im revolutionsbewegten Portugal, der Umzug in die Westberliner Hausbesitzerszene und schließlich die trügerische Bürgeridylle mit Mann und Kind in Bonn, fasst die Rezensentin zusammen. Ein enormer Bogen, den Thome gekonnt meistert, doch der kapriziösen, von innerer Spannung zerrissenen Protagonistin und vor allem ihrer Entwicklung von der neugierigen Adoleszentin zur frustrierten Fünfzigjährigen wird der Autor letztlich nicht überzeugend Herr, meint Lovenberg.
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