Wenn alle wissen, dass alle wissen...
Gemeinsames Wissen und sein verblüffender Einfluss auf Geld, Macht und das tägliche Leben

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN
9783103972030
Gebunden, 416 Seiten, 29,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Martina Wiese. Tagtäglich treffen wir Annahmen darüber, was andere Menschen wissen, und richten unser Handeln danach aus - oft, ohne uns dessen bewusst zu sein. Anhand von zahlreichen Beispielen aus der Spieltheorie, der Geschichte und unserem Alltag zeigt Steven Pinker so klar wie unterhaltsam, dass unsere alltäglichen Interaktionen auf komplexesten Überlegungen über den Wissensstand anderer beruhen - und warum diese Tatsache unser Zusammenleben entscheidend prägt.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2026
Der hier rezensierende Philosoph Martin Hartmann ist nicht recht überzeugt von Steven Pinkers neuem Buch. Der Kognitionspsychologe geht darin dem sogenannten gemeinsamen Wissen nach und der behaupteten immensen Wirkung auf unser Handeln - strukturgebend ist dabei die Formel: "Ich weiß, dass du weißt". Der Kritiker möchte nicht bezweifeln, dass wir gemeinsames Wissen im Alltag benutzen und gestalten können, schon etwa bei der Verständigung durch simple Gesten. Aber für ihn hapert es hier grundlegend an der definitorischen Schärfe: denn für ihn handelt es sich bei den meisten von Pinkers Fallbeispielen gar nicht um gemeinsames Wissen, sondern eher über gemeinsame Überzeugungen; etwa beim Thema Cancel Culture oder Cybermobbing. Auch eine Unterscheidung zwischen richtigem und falschem Wissen vermisst Hartmann schmerzlich. Das schwäche Pinkers Thesen stark und ziehe auch argumentative Folgeprobleme nach sich, moniert der Kritiker. Für ihn daher ein erster Schritt in eine wichtige Debatte, "mehr aber nicht", schließt er.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 13.11.2025
Ein kluges Buch über das Wissen hat Steven Pinker hier geschrieben, so Rezensent Wolfgang Schneider. Konkret beschäftigt sich der Autor mit sozialem, gemeinsamem Wissen, was nicht nur Faktenwissen umfasst, sondern auch rekursives Wissen, Wissen vom Wissen anderer. Man muss sich bei Pinker laut Schneider schon durch einige schwierige Begriffe, etwa aus dem Bereich der Logik und der Spieltheorie arbeiten, interessant wird es dann aber vor allem in der zweiten Hälfte, wenn Pinker auf die gesellschaftlichen Auswirkungen seines Wissensbegriffs zu sprechen kommt. Gemeinsames Wissen ist, liest Schneider, unter anderem in Liebesbeziehungen wichtig, ebenso an der Börse, gemeinsames Wissen schweißt zusammen, ganz besonders da, wo es, wie im Fall von Verschwörungstheoretikern, eher absurd anmutet. Auch auf die Cancel Culture geht Pinker ein, in der er eine große Gefahr ausmacht, da es darum geht, abweichendes rekursives Wissen zu verhindern. Schneider hält sich nicht nur in dieser Frage mit Werturteilen zurück, scheint das Buch aber insgesamt mit Gewinn gelesen zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025
Von Harvard-Professor Steven Pinker hätte sich Rezensent Jens-Christian Rabe ein wenig mehr erwartet. Pinker widmet sich in seinem neuen Buch dem Wissen über Wissen, in der Kognitionsforschung und Sozialpsychologie "gemeinsames Wissen" genannt, erläutert der Kritiker, ein "Wissen, von dem alle wissen, dass es alle anderen auch haben". Alle möglichen sozialen, aber auch privaten Phänomene möchte Pinker nun mit diesem Konzept erklären, indem er aufzeigt, dass erst gemeinsames Wissen dazu führt, dass sich Menschen zu "koordiniertem Handeln" zusammentun. Das betrifft zum Beispiel auch das Phänomen der "politischen Revolution" - erst wenn alle wissen, dass alle anderen wissen, dass sich die Dinge ändern müssen, können Herrscher gestürzt werden. Das ist nicht uninteressant, aber so staunenswert wie Pinker selbst, findet der Kritiker diesen Gedanken dann auch wieder nicht. So ganz leuchtet ihm nicht ein, warum er ein ganzes Buch darüber lesen soll, das zudem immer wieder wie eine etwas ausufernde "kognitionspsychologische Stoffsammlung" anmutet. Auch das Pinker scheinbar gerade den interessantesten Punkt, nämlich die Übertragung seiner Theorie auf die Aktualität in den USA, weglässt, ist für den Kritiker ein Versäumnis.