Die Denkerin
Hannah Arendt und ihr Jahrhundert

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN
9783406830068
Gebunden, 528 Seiten, 34,00
EUR
Klappentext
Hannah Arendt ist die Denkerin des 20. Jahrhunderts. In ihren Schriften wie in ihrem Leben spiegeln sich die tiefgreifenden Erschütterungen dieser Zeit: Aufstieg und Fall totalitärer Regimes, Flucht- und Fremdheitserfahrungen, aber auch hoffnungsvolle Neuanfänge prägten ihr gesamtes Denken. Grit Straßenberger präsentiert ein neues, lebendiges Bild der außergewöhnlichen Denkerin: Durch einen starken Fokus auf die Erinnerungen und Geschichten, die von Freunden, Kollegen und Schülern über Arendt erzählt wurden, lernen wir die Person hinter der einzigartigen Philosophin kennen. Obwohl ihr die Rolle der Intellektuellen zutiefst suspekt war, wurde sie zu einer Intellektuellen von Weltrang. Ihr Denken war irritierend und eigensinnig, sie eckte überall an, war aber alles andere als eine Einzelgängerin: Die Liste von Arendts Bekanntenkreis liest sich wie das "Who is Who" der westlichen Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts. Arendt führte ihr Jahrhundertleben als eine "Virtuosin der Freundschaft", für deren Denken zwischenmenschliche Verbindungen unverzichtbar waren und die auch heute noch unsere Freundin im Geiste sein kann.
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Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 04.12.2025
Hannah Arendts Denken "elekrisiert" die Menschen bis heute, stellt Rezensent Peter Neumann fest. Warum das so ist, kann er in gleich drei neuen Büchern über die Philosophin nachlesen, die ihm allesamt eine "faszinierende Fülle neuer Denkanstöße" bieten. Grit Straßenbergers Biografie stellt vor allem auf die Vielschichtigkeit der Philosophin ab, die in ihrer Person und in ihrem Denken vermeintlich Unvereinbares vereinbarte, so Neumann: Autorität und Freiheit waren für sie beispielsweise keine Widersprüche, sie glaubte nicht an "uneingeschränkte Mitbestimmung" in Demokratien. Sie wollte sich weder links noch rechts einordnen lassen, erinnert Neumann weiter, ja, lehnte diese Kategorien als zweitrangig ab. Straßenberger attestiere dem Arendt'schen Denken eine "Melange aus Hellem und Dämonischem": eine Verbindung aus aristotelischer Tugendethik und machiavellistischem "Konflikt-Denken", die für sie die Grundlage einer funktionierenden Demokratie ausmachten. Linksliberale dürften mit dieser Pointe nicht so glücklich sein, so der Kritiker, der die Lektüre dieser Biografie trotzdem nur nachdrücklich empfehlen kann.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 01.12.2025
Der Titel "Die Denkerin" für diese Hannah-Arendt-Biografie ist treffend gewählt, hält Rezensent Lorenz Jäger für Grit Straßenbergers beeindruckendes Buch fest: Arendt wird als radikale Denkerin gezeigt, bei der das Politische und das Persönliche immer wieder zahlreiche Überschneidungen haben, wobei Konflikte naturgemäß nicht ausbleiben. Die Autorin vermag es laut Jäger, die Theorien der politischen Philosophin mit ihrer Lebensgeschichte, ihren Freunden und Geliebten wie Mary McCarthy, Martin Heidegger oder Karl Jaspers zu verbinden und so ein ansprechendes Panorama ihres Lebens zu schaffen. "Umsichtig und mit enormer Sensibilität" widme sich Straßenberger dieser "biografischen Verortung" der philosophischen Theorie, schwärmt Jäger. Auch Arendts jüdische Identität und ihre Skepsis dem Zionismus gegenüber kommen zur Sprache. Für den Kritiker eine gelungene Auseinandersetzung mit der streitbaren Intellektuellen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2025
Rezensent Guido Kalberer lernt Hannah Arendt in Grit Straßenbergers Biografie der Philosophin als eigenständige wie scharfsinnige Denkerin kennen. Die Bonner Professorin für Politische Theorie und Ideengeschichte legt laut Kalberer eine umfassende Lebens- und Denkensgeschichte Arendts vor und zeigt ihren Lesern, warum Arendts Arbeit auch heute noch bedeutsam ist. Kalberer erkennt diesen Bezug zur Gegenwart in der Darstellung von Arendts Totalitarismus-Begriff und ihrer Untersuchung totalitären Denkens in linken wie rechten Ideologien. Dass die Autorin auch Arendts blinde Flecken thematisiert, indem sie auf deren Beziehung zu Heidegger abhebt, rechnet ihr der Rezensent hoch an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2025
Rezensent Wolfgang Matz ist zunächst skeptisch, ob es wirklich noch eine Biografie von Hannah Arendt gebraucht hätte, aber Grit Straßenberger weiß ihn zu überzeugen: Ihr Text zeigt die große Denkerin Hannah Arendt ebenso wie die private Person, die nicht voneinander zu trennen sind, sondern immer "ein und dieselbe, eine höchst eigensinnige, originelle, sture Frau" sind. Lebensgeschichtliche Darstellungen behandelt Straßenberger gleichwertig zur Analyse von Arendts Schriften und ihrem Denken, auch Kritik spart sie nicht aus, wie Matz lobt, dass sie beispielsweise "schulische Rassentrennung" verteidigte, wird von der Autorin kritisch in der Entstehung dieser Position reflektiert. Auch in Bezug auf Arendts Beziehung zu Heidegger überzeugt ihn, dass die Biografin Ambivalenzen auszuhalten weiß. Ihm gefällt resümierend, wie die Verfasserin "Risiko und Gewinn" von Arendts Theorie, Leben und Wirken ausbalanciert darstellt.