Suraiya Faroqhi schildert knapp und kenntnisreich und lebendig die Geschichte eines der mächtigsten Reiche des späten Mittelalters und der Neuzeit, das noch zu Ende des 19. Jahrhunderts das gesamte Gebiet der heutigen Staaten Türkei, Irak, Syrien, Libanon, Israel sowie Teile Griechenlands umfasste. Die Darstellung folgt der Chronologie der politischen Geschichte vom 14. Jahrhundert bis zur Auflösung des Reiches nach dem Ersten Weltkrieg und bezieht dabei die Geschichte von Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur überall gleichwertig ein.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2000
In seiner kenntnisreichen und gut verständlichen Rezension lobt Stefan Weidner den kleinen Band als "unabdingbares Korrektiv" für die bisher erschienen Bücher über das Osmanische Reich. Sein Bedauern über die "Knappheit" kann nur als Ermunterung für die Autorin verstanden werden, gleich eine ausführlichere Darstellung in Angriff zu nehmen. Weidner gibt einen äußerst informativen Überblick über die bisherige Literatur, die er als veraltet empfindet. Als Beispiel nennt er die Zeit der "Weiberherrschaft" nach dem Tod Süleymans des Prächtigen (1566), als der Harem großen Einfluss auf die Staatsgeschäfte nahm. Noch Joseph Matuz` Beschreibung dieser Zeit in seinem 1985 erschienenen Standardwerk "Das Osmanische Reich. Grundlagen seiner Geschichte" hafte ein "unangenehmer Einschlag von Misogynie" an. Das es seitdem einen "Wandel in der Osmanistik" gegeben hat, macht Weidner an Leslie Pierces "bahnbrechender" Studie "The Imperial Harem" (1993) fest. Faroqhis Buch mache diesen Wandel jetzt auch einer nicht spezialisierten Leserschaft verständlich. Und überhaupt: In Zeiten der Balkankriege und kurz vor einem baldigen EU-Beitritt der Türkei verdient die Osmanistik, die Weidner als eine Art Dornröschenfach beschreibt, endlich mehr Aufmerksamkeit, fordert der Rezensent.
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