Mit Geschwistern lernen wir nicht das Teilen. Nein, wir lernen das Verhandeln und die Grenzen unserer Macht zu akzeptieren. Mit Geschwistern erfahren wir das erste Mal, was Gerechtigkeit bedeutet. Nicht durch unseren Edelmut, sondern durch den wütenden Zorn in uns, wenn wir uns übervorteilt fühlen. Im sozialen Trainingscamp der Familie lernen wir auch unsere Rollen einzunehmen und fast nichts kann uns davor schützen, auch als Erwachsener wieder der große Bruder zu sein, der alle Schläge abfängt, oder die kleine Schwester, der niemand etwas zutraut. Die Vielfalt der hier versammelten Geschwistergeschichten, ergänzt um die Erkenntnisse der Geschwisterforschung, macht es leicht, sich selbst tiefer zu verstehen, gleich ob man mit oder ohne Geschwister aufgewachsen ist.
Mit diesem Buch der Journalistin Susann Sitzler vermag die Rezensentin Cosima Lutz zu ahnen, was Geschwisterliebe an Leid und Freud bedeutet. Dafür sorgen die Neugier der Autorin und die Form des Buches, eine Mischung aus Autobiografie, Psychologie- und Kulturgeschichte, die es Sitzler laut Lutz ermöglicht, sowohl wertschätzend als auch ernüchternd gegen Geschwisterklischees anzuschreiben. Wenn die Autorin phänomenologisch zupackend Geschwisterfotos deutet oder die Geschwisterforschung durchforstet, lernt Lutz dazu. Bewegend wird das Buch für sie immer dann, wenn Sitzler von echten Gefühlen spricht, denn auch das, lernt die Rezensentin, können Geschwister sein: Freunde und Liebende.
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