Hamburg gehörte seit 1934 zu den fünf "Führerstädten", die das NS-Regime durch großmaßstäbliche Planungen und Architektur repräsentierten sollten. Verantwortlich war ein junger Hamburger Architekt, der in der Weimarer Republik an der TH Stuttgart studiert hatte und 1939 mit gerade einmal 37 Jahren beauftragt wurde, Hamburg von Grund auf neu zu planen: Konstanty Gutschow. Seine Karriere quer zu allen politischen Systemen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts steht im Mittelpunkt dieses reich bebilderten Titels. Dem vermeintlichen Widerspruch zwischen Moderne und Volksgemeinschaft wird anhand der von Gutschow entwickelten Planungsgedanken der 1930er Jahre bis hinein in die bundesrepublikanische Nachkriegszeit nachgegangen. Die Publikation schließt damit eine Lücke der Hamburger Architekturgeschichte und ergänzt diese um eine wichtige biografische Studie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.08.2012
Von kritischen Tönen kaum die Spur, doch das stört Ulla Fölsing nicht. Sylvia Neckers als Dissertation entstandene Wertschätzung des Nazi-Architekten Konstanty Gutschow für dessen Selbstverständnis als Experte nicht nur für Bau, nein, auch für Gesellschaftsgestaltung (!) gefällt ihr wegen ihrer akribischen Recherche. Die Karriere Gutschows von der Weimarer Zeit bis zum "Archikraten" mit Auftrag "Führerhauptstadt" vermag die Autorin für Fölsing nachvollziehbar zu dokumentieren, ebenso wie den Witz von einem Entnazifierungsverfahren, von dem Gutschow profitierte.
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