Während viele westdeutsche Familienbetriebe den Bedingungen der EU und dem Druck des Weltmarktes kaum gewachsen sind, scheinen die großen ostdeutschen Einheiten, einst durch die sozialistische Kollektivierung entstanden, wie geschaffen für die industrialisierte Landwirtschaft. Retten womöglich die Agrargenossenschaften als einzige das wirtschaftliche Erbe der DDR? Was wird aus den Bemühungen um eine ökologische Landwirtschaft? Tanja Busse ist monatelang über Land gefahren, hat mit Grafen und ehemaligen LPG-Vorsitzenden gesprochen, westdeutsche Pächter und ostdeutsche Privatbauern befragt. Sie alle kommen mit ihrer Sicht auf die Dinge in längeren Selbstaussagen zu Wort. Dazu gibt die Autorin einen Überblick über die politischen und rechtlichen Entscheidungen der letzten Jahre.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.08.2001
Susanne Katzorke rät, dieses Buch über die ostdeutsche Landwirtschaft seit der Wende trotz des irritierenden "Klassenkampf-Jargons" weiterzulesen. Zwar könne sich die Autorin nicht recht ihre Schadenfreude darüber verkneifen, dass zehn Jahre nach der Wende die ostdeutsche Landwirtschaft, die zum großen Teil an "genossenschaftlichen Strukturen" festgehalten hat, erfolgreicher ist als die westdeutschen Betriebe. Doch die Rezensentin lobt die Schilderung dieser "Erfolgsgeschichten" als "verblüffend" und interessant. Inakzeptabel findet sie nur die simple "Rollenverteilung" der Autorin in den bösen Westen und den guten, fleißigen Osten. Sie hätte sich mehr "Objektivität" gewünscht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.04.2001
Die Journalistin Tanja Busse, selbst auf einem westfälischen Bauernhof aufgewachsen, hatte mit ihren Reportagen eigentlich "nur" auf die in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommene Umstrukturierung der Landwirtschaft in den neuen Bundesländern hinweisen wollen, informiert Udo Scheer, und hat jetzt passend zu BSE und Maul- und Klauenseuche der Betrachtung des Desasters eine neue Dimension hinzugefügt. Keine Sorge, meint der Rezensent, der Band ist keine trockene und polemische Studie, sondern bietet acht unvoreingenommen "frische" Texte. Über die Landwirtschaft in Mecklenburg und Sachsen und Interviews mit Traktoristen, Spreewaldgurkenfabrikanten und Landwirtschaftsministern. Scheer sieht hier vielfältige Denkanstöße und atmosphärische Einblicke in die Welt des ostdeutschen Dorfes gegeben. Nur eines vermisst der Rezensent: Die Schilderung der sozialen Folgen der Einheit - angesichts einer Arbeitslosenquote von 50 Prozent ist das seiner Meinung nach ein ebenso wichtiges Thema wie die Erfolgsgeschichten in der ostdeutschen Landwirtschaft.
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