Die Menschen in dem ungarischen Dorf unweit der österreichischen Grenze beherrschen das Trinken ebensogut wie den Traum von einer Flucht aus den ärmlichen Verhältnissen. Und die Erinnerung an dieses Dorf mit seinen skurrilen Einwohnern, ihrer hoffnungslosen Sehnsucht nach dem guten Leben, ihren archaischen Gewohnheiten und verbissenen Überzeugungen beherrscht die Geschichten Moras wie ein Vexierbild, in dem die Landschaft der eigenen Heimat zur Fremde wird, zur "seltsamen Materie". Mit ihr ist sie verwachsen, und von ihr ist sie zugleich ausgestoßen. "Seltsame Materie" ist das Debüt von Terézia Mora.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.10.1999
Die ungarische Autorin Terézia Mora hat sich vor zehn Jahren von Heimat und Sprache verabschiedet, und das ist laut Denis Scheck ein Glücksfall für die deutsche Literatur. Begeistert an diesem Prosadebut hat Scheck vor allem der Ton: "Abgründig. Verführerisch. Ein Ton, der trägt. Bald märchenhaft sanft, bald alltäglich rauh." Man hört Scheck förmlich aufatmen, dass die knapp 29jährige Mora sich nicht an den Trend des eingängigen Pop, des "easy listening" geheftet hat. Mora erzähle Geschichten des Aufbruchs, des Abschieds aus der Welt der Kindheit, meist traurige, aber nie trostlose. Allerdings entgehen ihre Geschichten, so Scheck, nicht immer der Gefahr, aus ihrem "literarisch exotischen Milieu billigen Profit" zu schlagen.
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