"Wie geht es Dir?" Als Johanna von Max, ihrem alten philosophischen Lehrer, eine Postkarte mit dieser scheinbar harmlosen Frage erhält, bricht es aus ihr hervor: die Trauer über den Tod ihrer Mutter, die Wut, dass man ihr im Krankenhaus verwehrt hat, die Sterbende zu begleiten. Provoziert durch weitere Postkarten, beginnt Johanna, sich den Dämonen hinter ihrer Verzweiflung zu stellen. In einem einzigartigen Postkarten-Briefroman erzählt die Literatin und Philosophin Thea Dorn von den vielleicht größten Themen, die der gottferne, von seinen technologischen Möglichkeiten berauschte Mensch verdrängt: von der Auseinandersetzung mit der Endlichkeit, von der Suche nach Trost in trostlosen Zeiten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.02.2021
Anders als es der Titel verspricht, bekommt Rezensent Carsten Hueck von Thea Dorn hier zunächst 170 Seiten "grelle Wut". Die Geschichte um die Redakteurin Johanna, deren Mutter in der ersten Corona-Welle nach einem Italien-Urlaub alleine im Krankenhaus unter Quarantäne stirbt und unter entsprechenden Bedingungen beigesetzt wird, ist schnell erzählt, meint der Kritiker. Dorns bissige, in Briefform verpackte Gesellschaftskritik an "Hygienehirten" und "Seuchenrittmeistern", trägt das Buch allerdings, fährt Hueck fort. Und so liest er in dieser Mischung aus "Polemik, Philosophie und Pamphlet" sehr differenziert vom Umgang mit der Pandemie und der krankhaften Vermeidung von Tod in unserer Gesellschaft.
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