Zsofia Ban

Der Sommer unsres Missvergnügens

Cover: Der Sommer unsres Missvergnügens
Matthes und Seitz, Berlin 2019
ISBN 9783957577207
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Terezia Mora.  Zsófia Bán beschreitet in ihren Essays viele Wege, um sich eine einzige Frage zu beantworten: Wie umgehen mit Verlusten, die nicht aufzuarbeiten sind? Mit dem Mangel an Wissen, mit dem Verleugneten und Verschwiegenen? Eine Reise führt sie nach Terezín, die Kleinstadt in Tschechien, von Menschen bewohnt und dennoch mit "greifbarer, tastbarer, gespenstischer Leere gefüllt". Sie weiß, dass ihre Mutter dort war und das KZ überlebt hat. Warum überfällt sie im Museum dennoch die Angst, ihr auf einem Bild zu begegnen? Weil Fotos etwas zeigen, was wir nicht wissen, nur erahnen können? Es ist dieses Verhältnis von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, es sind die Leerstellen, die "Orte des Mangels", die unüberschaubaren Wissenslücken und die von ihnen verursachte Melancholie, denen Zsófia Bán in ihren Lektüren von Sebald, Nádas und Kertész, in Auseinandersetzung mit Filmen und theoretischen Entwürfen auf die Spur kommen will.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.09.2019

Ilma Rakusa schätzt die Stimme von Zsofia Ban als intellektuelle Kraft gegen die Aushöhlung der Demokratie in Bans Heimat Ungarn, darüber hinaus attestiert sie ihr sprachliches Talent und mannigfache Interessen. All das ist zu erleben in diesem laut Rakusa von Terezia Mora "brillant" übersetzten Band mit Essays der Autorin. Ob Ban das Verhältnis von Wort und Bild bei Peter Nadas erkundet, die Figurenrede bei Kertesz oder Geschichte und Gegenwart Ungarns oder ob sie erzählt, wie sie in Theresienstadt nach Spuren ihrer Mutter sucht - stets hat Rakusa das Gefühl, die Autorin weiß genau, wovon sie spricht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.05.2019

Ausgesprochen anregend findet Rasha Khayat den von der ungarischen Schriftstellerin und Anglistin Zsófia Bán vorgelegten Essayband "Der Sommer unsres Missvergnügens". Am liebsten würde sich die Rezensentin nach der Lektüre im Internet oder in Bibliotheken verlieren und all den Hinweisen und Referenzen nachgehen, von Shakespeare und Keats über Nietzsche, Sebald, Péter Nádas und Orhan Pamuk bis zu "Star Wars" und "Jurassic Park". Dennoch handelt es sich bei dem Band nicht um Kunst- oder Kulturkritik, versichert Khayat, sondern um teilweise sehr persönliche Erlebnisse und Erkenntnisse, über die Bán den Blick auf größere, vor allem europäische Kontexte lenkt. Dabei geht es der Autorin um eine Gegenwartsdiagnose, wobei aber auch der konstruktive Ausblick nicht zu kurz kommt, etwa wenn sie dafür plädiert, in Anbetracht der problematischen Gegenwart nicht in Melancholie zu verfallen, sondern gerade diese Probleme zum Ausgang von self-empowerment zu machen, führt die Rezensentin aus. Für Khayat bietet der Band ein ebenso "unterhaltendes wie gewinnbringendes Leseerlebnis", nicht zuletzt dank der gelungenen Übersetzung von Térezia Mora.

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