Heute an die Zukunft denken, bedeutet, an den Klimawandel zu denken, der als Klimakatastrophe, gar als Klimaapokalypse daherkommt. Die Angstmächtigkeit des Klimawandels ist absolut nachvollziehbar, die prophezeiten Verheerungen beispiellos. Doch die Menschheit war schon häufig mit apokalyptischen Bedrohungen konfrontiert, allein in den letzten vierzig Jahren mit dem atomaren Wettrüsten, AIDS, dem Ozonloch, BSE und nicht zuletzt Corona. Was haben die Menschen befürchtet? Was ist tatsächlich eingetreten? Worin unterscheidet sich der Klimawandel von vorigen apokalyptischen Szenarien? Thomas Brussig plädiert in diesem Debattenbuch für Augenmaß und Nüchternheit. Wenn wir das Unvermeidbare hinnehmen und unsere Anstrengungen und Ideen auf das Vermeidbare konzentrieren, lässt die Klimakrise noch Raum für Hoffnung und Zuversicht: "Wir balancieren zwar am Abgrund, aber darin sind wir, wie es scheint, ziemlich gut. Und vielleicht sollte genau dies auch unser Erfolgsgeheimnis als Menschheit bleiben: Fürchte jede Gefahr so, als könnte sie dich umbringen, dann wird schon alles gutgehen."
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.02.2024
Rezensent Ulrike Köppchen findet Thomas Brussigs Buch über den Umgang mit Katastrophen stellenweise gar nicht so schlecht. Immerhin gelingt es dem Autor, die ein oder andere Facette der "German Angst", angereichert mit spezifischen Erfahrungen aus der DDR, treffend und unterhaltsam darzustellen. AIDS, Millenium Bug und schließlich die Klimakatastrophe - alles gar nicht so schlimm? Spätestens bei letzterem Thema verhebt sich der Autor allerdings laut Köppchen, wenn er dem Klimawandel mit "rumpeliger Apodiktik" begegnet und "naseweis" beziehungsweise größenwahnsinnig Patentlösungen präsentiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.10.2023
Rezensentin Renate Meinhof hat Thomas Brussig in seinem Haus in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs besucht, um mit dem in Ostberlin geborenen Schriftsteller über das Scheitern und die Klimakrise zu sprechen. Denn davon handelt Brussigs neustes Buch, das als Roman scheiterte - nicht zum Nachteil der Leser, wie wir erfahren. Denn die Kritikerin liest das Buch, in dem Brussig gegen den alarmistisch-apokalyptischen Ton in der Debatte ums Klima anschreibt, mit Gewinn. Ausgehend von allen Apokalypsen, die Brussig bisher erlebte - begonnen beim atomaren Wettrüsten über Aids, Ozonloch und Weltwirtschaftskrise bis hin zu Covid - stellt der Autor fest: Meist stimmt die Diagnose, nicht aber die Prognose. Es geht nicht um das Verleugnen des Klimawandels, sondern um einen "neuen Blick", erzählt Brussig der Kritikerin - Man könne sich zum Beispiel auch auf null Klimatote statt auf null Emissionen konzentrieren, so Brussig. Die Rezensentin empfiehlt in jedem Fall ein "kluges" Buch.
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