Nora Bossong wirft einen genauen Blick auf ihre Altersgenoss:innen - diejenigen, die in unserem Land dabei sind, in einer ausgeprägten Krisenperiode das Ruder zu übernehmen. Denn nach dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges dachten viele Menschen in Deutschland, die großen existenziellen Fragen seien entschieden und es ginge nur noch um den Feinschliff des guten Lebens. Durch 9/11 erlitt die in den 90ern kultivierte Partylaune ihren ersten Dämpfer, spätestens ab 2008 dann stapelten sich die globalen Probleme: Finanzkrise, Ungleichheit, Fluchtbewegungen, Demokratiefeindlichkeit, Klimawandel …Wie schlagen sich die heute um die 40-Jährigen mit diesen unerwartet massiven, bislang ungelösten Herausforderungen? Können sie ihrer Verantwortung gerecht werden? Oder sind sie nur zur Schadensbegrenzung in der Lage, sodass wir eher auf die nachfolgende Generationen, darunter jene um Greta Thunberg, hoffen müssen? Bossong diskutiert auch Ideen für eine demokratische Zukunft, in der möglichst viele für das Ideal des gemeinschaftlichen Handelns begeistert werden. Denn darauf kommt es mehr denn je an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.03.2022
Rezensent Harry Nutt liest angeregt Nora Bossongs Erkundung ihrer Generation der um die vierzig Jährigen. Dabei nimmt die Autorin eine "gesellschaftliche Charakterisierung" derer, die in ihrem Wirken die heutige Politik, Wirtschaft und Kultur beeinflussen in den Blick und nimmt diese als Anhaltspunkt für ein weiter gefasstes Bild, erklärt der Rezensent. Dass die Autorin sich mit ihrem "feinen" Sprachgefühl und der "zeitdiagnostischen Wahrnehmung" kein typisch journalistisches Generationenporträt schreibt, sondern sich, ohne anzuklagen, auf einen "Verfallsprozess demokratischer Prinzipien und Gewissheiten" konzentriert, für den diese Generation symptomatisch stehe, gefällt dem Rezensenten. Allerdings hätte sich Nutt eine differenziertere Betrachtung der Lebenslage dieser Generation gewünscht, die keinesfalls nur in stabile und sichere Strukturen hineingeboren sei, wie er meint.
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