Der Kalte Krieg zwischen der Sowjetunion und den USA prägte die Weltpolitik
während fast eines halben Jahrhunderts. In der neutralen Schweiz, die fest auf
der Seite des Westens stand, war dieser Krieg kälter als anderswo. Der Feind,
der mit Atombomben drohte und die Schweiz kommunistisch zu unterwandern
suchte, sass in Moskau. Die Folgen dieser Imagination waren: ein rabiater
Antikommunismus, ein ausgreifender Staatsschutz, die allumfassende Vorbereitung
auf einen Atomkrieg und die Entwicklung eigener Atomwaffen. Kaum ein
anderes Land lebte den Kalten Krieg so intensiv wie die Schweiz.
Thomas Buombergers Studie schildert erstmals, wie sich der Konflikt der Supermächte
auf die Schweizer Politik und Gesellschaft auswirkte. Seine Mentalitätsgeschichte
lässt die Stimmung der Zeit anhand vieler Beispiele aufleben und
zeigt, wieso sich die Schweiz während Jahrzehnten in einem Zustand der Paranoia
befand.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2017
Das eigentliche Problem des kalten Kriegs war nicht der Kommunismus, sondern der Antikommunismus, zumindest in der Schweiz - da ist sich Rezensent Marc Tribelhorn mit dem "aus dezidiert linker Warte" argumentierenden Autor des Buchs weitgehend einig. Zwar konzediert Tribelhorn am Ende, dass es vor dem Kollaps des Kommunismus auch Gründe gegeben haben mag, ihn und einen Krieg mit ihm zu fürchten, aber insgesamt erscheint Tribelhorn die obsessive Schweizer Vorsorge gegen einen möglichen Atomkrieg als bizarr und komisch. Alles war in den Bunkern per Verordnung geregelt - "vom Rauchen in den Toiletten bis zum richtigen Verhalten bei einer Entbindung". Mit Friedrich Dürrenmatt erklärt sich Tribelhorn diesen "helvetischen Furor" und den "Reduit-Mythos" auch mit dem schlechten Gewissens, das die Schweizer nach dem Krieg wegen ihrer Kooperation mit den Nazis hatten. Abschließend lobt der Rezensent, dass es dem Autor gelinge, den "(Un)Geist des Kalten Krieges" und des Antikommunismus überzeugend darzulegen.
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