Eine Frau wird halbtot gewürgt in ihrer Wohnung gefunden. Die Indizien weisen auf den Ehemann Harry Wörz. Er wird noch in derselben Nacht verhaftet. Dass der seine Unschuld beteuert, hilft ihm nichts: Über 13 Jahre ist er gefangen im Netz der Justiz, viereinhalb Jahre wird er inhaftiert für eine Tat, die er nie begangen hat. Oder die 14-jährige Jennifer, die behauptet, von ihrem Vater und dessen Freund missbraucht worden zu sein. Bald sitzen die Männer in Haft. Es dauert Jahre, bis herauskommt, dass das Mädchen die Geschichte erfunden hat. Dies sind nur zwei von zahllosen Justizirrtümern, die sich Jahr für Jahr vor deutschen Strafgerichten ereignen. Schuld sind einseitige Ermittlungen, überschätzte Gutachter und selbstgewisse Richter. Doch selten bekennt sich die Justiz zu ihren Fehlern. Jeder kann ihr Opfer werden.
Richter als potentielle Straftäter? Das geht Christian Rath dann doch etwas zu weit. Wenn der Spiegel-Journalist Thomas Darnstädt anhand von 15 Fällen den Richtern auf die Finger schaut und feststellt, dass jedes vierte Urteil der deutschen Strafjustiz fehlerhaft ist, plädiert der Rezensent für den gemäßigten Umgang mit solchen Zahlen. So spannend der Autor für Rath über Fehlurteile erzählt und so nachvollziehbar seine Verbesserungsvorschläge Rath auch erscheinen - man muss das Kind nicht gleich mit dem Bade ausschütten, meint er. Die deutsche Justiz sei bei weitem nicht die schlechteste. Des Autors Vorschlag, Richter für fahrlässig falsche Urteile zu bestrafen, erscheint ihm nicht sinnvoll.
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