Thomas Greven

Die Republikaner

Anatomie einer amerikanischen Partei
Cover: Die Republikaner
C.H. Beck Verlag, München 2004
ISBN 9783406522031
Broschiert, 216 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Kaum eine politische Kraft hat die amerikanische Geschichte stärker beeinflusst als die Republikanische Partei. Thomas Greven bietet in diesem Buch eine fundierte Darstellung der jüngeren Geschichte und Gegenwart der Republikaner. Seine kritische Analyse der Motive und Hintergründe ihres politischen Handelns ist ein Schlüssel zum Verständnis der gravierenden Veränderungen der amerikanischen Innen- und Außenpolitik. Knappe Ergebnisse bei den Präsidentschaftswahlen in den USA lassen tiefe politische Gegensätze in der amerikanischen Gesellschaft vermuten. Sie verdecken jedoch eine Dominanz der Republikanischen Partei, die weit über Wahlergebnisse hinausreicht. Thomas Greven analysiert die Vorrangstellung der Partei im Süden des Landes und macht die Attraktivität der Republikaner für ihre Wähler verständlich. Er schildert eindringlich den Einfluss neokonservativer und republikanischer "Think tanks" auf die revolutionären Veränderungen der amerikanischen Außenpolitik unter George W. Bush.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2004

Nicht so recht überzeugt zeigt sich Wolfgang G. Schwanitz von Thomas Grevens bereits vor den US-Wahlen erschienener Analyse der Republikanischen Partei der USA. Allzu parteiisch erscheint ihm der Autor: "Wer Amerika und Bush nicht mag", so  Schwanitz, "der wird hier stereotyp bedient". Zwar beschreibe Greven mit seiner These, die Republikanische Partei bestimme in den zentralen Feldern der Politik die Grenzen des Denk- und Machbaren, "gut das vorherrschende Klima in Amerika". Aber Schwanitz hält dem Autor vor, zu sehr mit Schlagwörtern wie "Neokonservative" und "Rechtsruck" zu operieren, die seines Erachtens mittlerweile "nichtig" geworden seien. Auch stören Schwanitz "viele Formulierungen". Passionate conservative meine nicht, wie Greven notiere, mitfühlend, sondern leidenschaftlich. So fällt Schwanitz ein doch recht vernichtendes Urteil über Greven, dem der Kern der Republikanische Partei entgehe: "Sein Unverständnis ist offenkundig." Grevens Bild von Bush wimmle nur so von Klischees. Das Fazit des Rezensenten: "Mit solcherlei Stereotypen hält er den Erklärungswert seines Werkes, das der Verlag als Toptitel anpreist, in engen Grenzen."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.11.2004

Eine mit Abstrichen nützliche Einführung liegt mit Thomas Grevens Untersuchung der Partei George W. Bushs vor, findet Rezensent Alexander Kluy. Grevens Vorgehen sei methodisch und berücksichtige die verschiedensten Felder der Republikanischen Politik. Bei Greven gilt Theodore Lowis Bonmot, dass beide großen amerikanischen Parteien "liberale Parteien mit konservativen Flügeln" seien, nicht mehr. Die Republikanischen Prinzipien seien heute omnipräsent und nicht auf Leistungsdenken, Unabhängigkeit und die Pflege von familiy values zu reduzieren. All das stehe vielmehr im Verbund mit "kultureller Religiosität" einerseits und der Reanimation der "Reaganomics" andererseits. Kluy bedauert, dass Grevens Untersuchung mentalitätsgeschichtliche und soziologische Aspekte nur kursorisch berücksichtigt. Das Prädikat einer im Untertitel avisierten "Anatomie" mag er daher auch nicht gelten lassen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.10.2004

Einen "dramatischen Wandel" sieht Rezensent Frank Decker in der seit geraumer Zeit zu beobachtenden Reideologisierung von Politik und Gesellschaft in den USA. Dies lasse sich besonders gut an der Republikanischen Partei beobachten. Als "knapp und klar" lobt er die Darstellung ihrer Geschichte und Gegenwart, die der Politikwissenschaftler Thomas Greven nun vorgelegt hat. Wie Decker berichtet, hängt der Autor seine Analyse an der Frage auf, ob sich die Republikaner in den USA auf dem Weg zur strukturellen Mehrheitsfähigkeit befänden. Greven favorisiere die These der "doppelten Mehrheiten" des US-Politologen Byron Shafer, der das Land dauerhaft in zwei annähernd gleich große Lager gespalten sieht. Das eigentliche Problem der US-Politik erkenne Greven nicht in der Reideologisierung, sondern in der "parteiübergreifenden Einigkeit in vielen zentralen Politikbereichen, die einen großen Teil der amerikanischen Bevölkerung ausschließt" (Greven). Der Autor zeige, dass das Land seit den 70er-Jahren insgesamt nach rechts gerückt sei und dass politische Debatten heute weitgehend auf dem "diskursiven Terrain der Republikaner" stattfänden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2004

Von diesem Buch über die Republikaner in den USA von Thomas Greven ist Tanjev Schulz etwas enttäuscht. Die These, die der Autor vertritt, dass nämlich republikanisches Denken die amerikanische Politik beherrscht, auch wenn die Partei nicht an der Regierung ist, scheint dem Rezensenten zwar ganz plausibel zu sein. Aber er hätte sich gewünscht, Greven würde diesen Gedanken "ausführlicher" entwickeln und das Denken der Republikaner "bis in die Kapillaren" analysieren. So begnügt sich der Autor mit einem knappen Abriss der Geschichte der Partei und ihrer Wählerschaft und vermeidet es damit, die Grundsätze republikanischer Politik wirklich "auszuleuchten", kritisiert Schulz. Dabei sei es durchaus lobenswert, wie "kompetent", "sachlich" und "unpolemisch" Greven seine Argumente vorbringt, ohne einen Hehl aus seiner Antipathie für die Republikaner zu machen, räumt der Rezensent ein. Aber auch wenn der Band zumindest "schnelle Orientierungshilfe" in der amerikanischen Politik ermöglicht, bleibt für den Rezensenten vieles zu "blutleer" und wird "wenig plastisch", wie er bedauert.

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