Konkrete Kunst, Grafik und Design wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zum Emblem einer modernen Schweiz. Geprägt von de Stijl, russischem Konstruktivismus und dem Bauhaus zielten die Konkreten auf eine Transformation der Gesellschaft durch Ästhetik, Design und Architektur - etwa durch die Hochschule für Gestaltung Ulm. Kreis! Quadrat! Progress! porträtiert die Zürcher Konkreten Max Bill, Camille Graeser, Verena Loewensberg und Richard Paul Lohse und ihr Umfeld sowie ihre Impulsgeber wie Sophie Taeuber-Arp, Georges Vantongerloo, Theo van Doesburg oder Anton Stankowski. Es erzählen Zeitzeugen wie der Künstler Peter Fischli und die Kuratorin Bice Curiger. Lebendig werden Verbindungen zur europäischen Avantgarde ebenso wie die Anfeindungen, die Skandale und die Durchsetzungskämpfe inmitten der Umwälzungen des 20. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2025
Eine inspirierende Veröffentlichung zu einer genuin Schweizer Kunstbewegung liegt hier laut Rezensentin Maria Becker vor. Die Zürcher Konkreten verbinden in ihrer anwendungsorientierten Kunst Impulse aus der Mathematik und der Architektur, teilweise auch direkt aus dem Bauhaus. Konkret in welchem Sinne? Es geht, so Becker, um eine Abgrenzung von abstrakten oder auch expressionistischen Kunsttraditionen, die Künstler arbeiten gemäß klar nachvollziehbarer Formprinzipien und orientieren sich an praktischer Alltagsvernunft. Freilich erschaffen sie, fährt die Rezensentin fort, dabei nur deshalb prägnante Werke, weil doch wieder persönliche Vorlieben ins Spiel kommen. In diesem Zusammenhang weist Becker insbesondere auf Verena Loewensberg hin, die ihrer Meinung nach interessanteste Künstlerin der Gruppe, der sie außerdem die jüngere Sophie Täuber-Arp zur Seite stellen will - die weibliche Seite der Konkretion zu erkunden, dazu lädt dieses Buch Becker zufolge insbesondere ein.
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