Gegen Angst und Vorurteile: Erfahrungen eines guten Lebens mit Demenz. Immer mehr Menschen werden älter, immer mehr werden dement. Unsere auf geräuschloses Funktionieren optimierte Konsumgesellschaft aber steht hilflos vor denjenigen, die aus ihrer Mitte ver-rückt wurden. Die Last ihrer Versorgung tragen vor allem Angehörige und Pflegekräfte aus Osteuropa. Professor Thomas Klie plädiert in einem sehr aufwühlenden Buch dafür, dass wir Menschen mit Demenz als selbstverständlich dazugehörig begreifen und anerkennen, dass auch mit Demenz ein glückliches und zufriedenes Leben möglich ist - unter den richtigen Rahmenbedingungen. Gerade angesichts der durch die Corona-Pandemie verschärften gesellschaftlichen Verteilungskämpfe gilt für Klie: Die Leitkultur misst sich an der Behandlung des Themas Demenz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2021
Als Kennerin des Themas Demenz entdeckt Hildegard Kaulen im Buch des Gerontologen Thomas Klie wenig Neues. Für Angehörige von Demenzkranken kann das Buch dennoch lesenswert und anregend sein, räumt sie ein. Ausschlaggebend dafür ist laut Rezensentin, dass der Autor Demenz nicht als Schreckgespenst darstellt, sondern als zu meisternde Aufgabe. Deren Rahmenbedingungen werden vom Autor laut Kaulen skizzenhaft und unter Bezugnahme auf AutorInnen wie Martha Nussbaum und Mike Nolan geschildert. Auch die verschärften Bedingungen in Demenzheimen während der Pandemie werden kritisch verhandelt, erklärt Kaulen. Mitunter fehlt es dem Buch allerdings an Tiefe bzw. Pointierung, bedauert sie.
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