Thomas Stangl

Reisen und Gespenster

Essays, Reden und Erzählungen
Cover: Reisen und Gespenster
Droschl Verlag, Graz 2012
ISBN 9783854207917
Gebunden, 240 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Thomas Stangl gibt in diesem Band Einblick in seine Werkstatt und gleichzeitig Auskunft über die Literatur. Es geht um Landschaften, um Filme und Bilder, um Songs und Bücher, und immer stehen im Zentrum solche Ausnahmezustände wie Reisen oder Krankheit, für die diese Halbwachzustände des Geistes, dieses Wegdriften und gleichzeitig Sich-Öffnen der Aufmerksamkeit so bestimmend sind, die wir auch in den zentralen Passagen seiner Romane finden. "Lange Zeit habe ich mich bemüht, nur schriftlich zu existieren", so beginnt ein Text, der die existenzielle Wichtigkeit von Literatur auf nahezu körperliche Weise spürbar macht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.04.2013

Thomas Stangl beschreibt in seinem Essayband "Reisen und Gespenster" nicht nur Wanderungen in Tirol, erklärt Sibylle Cramer, er führt den Leser auch an seine Poetik heran, an sein Schreiben, das er als "Ausbruch aus der Ich-Höhle" begreift. Für Stangl ist der eigentliche Impuls, der dem Schreiben zugrunde liegt, der Wunsch, ausschließlich in schriftlicher Form zu existieren, sich von den gesellschaftlichen Zwängen zu distanzieren und sich der Eigenlogik des Textes anzuvertrauen, berichtet Cramer. Stangl beschreibt aber auch ganz konkrete Erlebnisse, die er auf seinen Reisen oder während der Wiener Studentenunruhen gemacht hat. Die eigenen Lektüren des Autors schließlich, beispielsweise von Raymond Roussel, gehören für die Rezensentin zu den absoluten Höhepunkten des Buches. Stangl ist "wunderbarer Erzähler" und eindrucksvoller Intellektueller zugleich, preist Cramer.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.01.2013

Thomas Stangl hat sich in seinem Essays und Erzählungen in "Reisen und Gespenster" dem Versuch verschrieben, "nur schriftlich zu existieren", berichtet Wiebke Porombka. Sie findet das paradox: "eine hermetische Welt aus Wörtern" kann die wirkliche Welt wohl kaum ersetzen, meint sie, ein geschriebener Gipfel kaum den greifbaren Berg. Die Rezensentin zweifelt  auch an der heilsamen Wirkung, die sich Stangl von seiner Flucht verspricht. Er selbst spreche zwar von einer "Euphorie der Einsamkeit", gerade die gibt seinen Texten für Porombka aber etwas "Bodenloses, Grausames". Selbst wenn sein Schreiben Stangl Linderung verschafft, seinen Lesern gewiss nicht, urteilt sie.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.08.2012

Am liebsten würde Georg Renöckl in seiner Kritik des Bandes immer nur zitieren, derart elegant, klug, leichtfüßig und tiefsinnig findet er die gesammelten Essays von Thomas Stangl. Wenn seine allseits gefeierten Romane dem Leser durchaus Anstrengung abfordern, wird er hier, wenn der Autor vom Schreiben, von der Musik, vom Reisen, der Literatur oder auch von seinem alltäglichem Schriftstellerdasein schreibt, mit einer Leichtigkeit entschädigt, die dennoch nicht unterkomplex wird, wie der Rezensent lobt. Trotz großer Vielseitigkeit in den Textsorten - es finden sich Reden, Reisereportagen, Essays, Tagebucheinträge und anderes -  fällt Renöckls zudem die Homogenität dieser Texte auf, deren vollendete Form er eindringlich lobt.
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