Die Frankfurter Buchmesse von 2009 liegt einige Jahre zurück. Damals war China Gastland und hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Warum also heute ein Buch über die chinesische Gegenwartsliteratur schreiben? Die Antwort darauf fällt kurz aus: Weil 2009 viel zu wenig gesagt wurde. China ist ein Land der Widersprüche, und noch immer spielen Zensur, Verschweigen und Beschönigungen eine große Rolle. Wer das Land aber verstehen will, der tut gut daran, auch seine Literatur zu verstehen und die Bedingungen, unter denen sie heute existiert: Wie stark ist die offizielle Gängelung - gibt es Zensur, und wie funktioniert sie? Wie steht es um die Verlage - sind sie noch fest im Griff der Partei? Und wie funktioniert die Interaktion zwischen Autoren, Verlagen und Lesern? Anhand namhafter älterer und jüngerer Autoren aus der Volksrepublik unternimmt der Sinologe Thomas Zimmer erstmals den Versuch, die Spielräume von Literatur, Kunst und Kultur im Spannungsfeld staatlicher Kontrolle, Zwängen des Marktes und zunehmender internationaler Vernetzung im China der Gegenwart zu erörtern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2017
Steffen Gnam lernt beim Sinologen Thomas Zimmer Literaturgeschichte als Geschichtsspiegel kennen. Das Lavieren zwischen staatlicher Kontrolle, Markt, Publikum, Diskurs und Empörung der chinesischen Literatur kann ihm der Autor an historischen Wendemarken, Tabuzonen und Momenten des Neubeginns aufzeigen. Hochinformativ findet Gnam Zimmers Auskünfte über neuere Strömungen, Epochen, Stilrichtungen und Kontinuitäten in der chinesischen Literatur. Vor allem die Abschnitte über die Post-achtziger-Jahre und die Gegenwartsliteratur scheinen Gnam interessant. Letztere stelle zwischen den Zeilen die Systemfrage und könne als Taktmesser der Demokratisierung im Land dienen, erklärt ihm der Autor.
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