Europa wagen! signalisiert den bleibenden Wagnis-Charakter des europäischen Projekts. In drei größeren Abschnitten reflektieren diese Aufzeichnungen, Interventionen und Reden seine bildungspolitischen, ideengeschichtlichen und gegenwartsbezogenen Dimensionen. Auch wenn ihre jeweilige Tragweite nur angedeutet werden kann, bieten diese Texte doch einige Wesenskerne in der Entwicklung der diversen Europa-Diskurse. Eigens betont Europa wagen! die poetische Form dieser Diskurse und leitet deswegen diese Überlegungen mit einem Blick auf eine Anthologie ein, die so ungewöhnlich ist wie das Gesamtprojekt 'Europa' selbst. Der Titel besteht aus einem Imperativ. Aus ihm leitet sich die in den drei Hauptabschnitten thematisierte Forderung ab, die Diskurse über Europa offensiv zu führen, an der weiteren Ausgestaltung des europäischen Projekts mitzuarbeiten - gerade weil Entwicklungen wie der Brexit, verschärfte Nationalismen und veraltete Vorstellungen von Souveränität dieses Projekt neu herausfordern, ja zu unterminieren drohen. Das 'wehrhafte Europa' meint nicht in erster Linie die Sicherung der Außengrenzen der Union, sondern die Auseinandersetzung mit den Gegnern der europäischen Integration innerhalb der europäischen Kulturgemeinschaft und den Ausbau ihrer demokratischen Strukturen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.06.2020
In einer Doppelbesprechung setzt sich Reinhart Wustlich mit neueren Thesen und Einsichten zum Thema Europa auseinander; von beiden Autoren - Görner und Höffe - bekommt er ein klares Plädoyer für eine europäische Zukunft. Der Zugang des Literaturwissenschaftlers, den er als "essayistisch-kursorisch" charakterisiert, hat ihm gut gefallen. Mit Zustimmung bedenkt der Kritiker den hier vorliegenden sprachkritischen Duktus und die Verweigerung der hegemonialen Narrative eines Zentrums. Vielmehr müsse für Görner die europäische Idee und der aus der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs folgende Zusammenschluss der Staaten transferiert werden in neue Definitionen durch die Peripherien. Der aufgekratzte Kritiker freut sich über den Hinweis, dass den Bemühungen westeuropäischer Intellektueller - er nennt Enzensberger und Chirbes - das Engagement der Osteuropäer, etwa Stasiuk und Andruchowytsch an die Seite gestellt werden könne.
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