Tijan Sila

Krach

Roman
Cover: Krach
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2021
ISBN 9783462053753
Gebunden, 272 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Eine Punkband in der Pfälzischen Provinz der Neunzigerjahre - was kann da schon schiefgehen? Tijan Silas Roman über die identitätsstiftende Kraft von Subkulturen. 1998, inmitten der Baseballschlägerjahre, gründet der 18-jährige Gansi mit seinen Freunden in der Kleinstadt Calvusberg die Punkband Pur Jus. Während es seinen Eltern, die vor vielen Jahren aus Bosnien nach Deutschland gekommen sind, lieber wäre, würde er wie sein älterer Bruder Predrag Chirurg werden und in eine Villa am Heidelberger Neckarufer ziehen, veranstaltet er Radau im heimischen Club Fiasko, tourt durch das tief gespaltene Land vom blitzsauberen Jugendzentrum in Freiburg zum besetzten Haus in Heidenau, lässt sich von einem Fascho die Lippe spalten und von der finsteren Gitarristin Ursel das Herz brechen. Dann trifft er Katja, die in "Texas" lebt, einem Viertel in Calvusberg, das sogar die Punks fürchten. Sie lernt fürs Abi, ist sehr für gewaltfreie Konfliktlösung und hört lieber Madonna statt Buzzcocks. Gansi ist bis zur geföhnten und blondierten Haartolle verliebt in sie. Alles scheint perfekt - doch bald sind es nicht mehr nur die omnipräsenten Nazis, die für Pur Jus zur Gefahr werden. Tijan Sila führt die Leser*innen ins Herz einer Szene, die er sehr gut kennt: Er zog in den Neunzigerjahren selbst mit seiner Punkband Atlas Lanze durch Deutschland und hat gerade mit seiner neuen Band Korrekte Drinks eine Single aufgenommen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.05.2021

Rezensent Ulrich Gutmair scheint Freude zu haben bei der Lektüre von Tijan Silas neuem Roman und auch bei dem Gespräch, das er mit dem Autor führte. Der in Sarajevo geborene Schriftsteller erzählt hier vom jungen Gansi aus einer bosnischen Familie, der, anders als Sila, in Deutschland geboren, wie einst Sila aber Mitglied einer Punk-Band in den späten 90er Jahren ist. Wie der Autor die zahlreichen Schlägereien mit "Faschos und Hools" in der deutschen Provinz nicht verherrlichend, sondern Slapstick-artig und trotzdem ernst zeichnet, für seine Punk-Gang eine "hochliterarische" Sprache aus Slang und pfälzischem Dialekt findet und trotz "hyperviriler" Posen seines Protagonisten dessen Verletzlichkeit offenlegt, beeindruckt Gutmair. Noch besser und noch unterhaltsamer als Silas zwei Vorgängerromane ist dieses Buch, lobt der Rezensent, der bei der Lektüre oft lachen musste.

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