Die Freiheit, verstanden im Sinne von Handlungs- und Entscheidungsfreiheit, ist ein Wert, der in anderen Gesellschaften, allen voran den angelsächsischen, scheinbar einen anderen Stellenwert genießt als in Deutschland. Dieser These ist das Institut für Demoskopie in Allensbach nachgegangen und kam zu manch verblüffendem Ergebnis: Während sich die ostdeutsche Bevölkerung insgesamt gegenüber dem Wert der Freiheit deutlich reservierter verhält als die Westdeutsche, ist die junge Generation der Unter-30jährigen in den neuen Bundesländern nicht nur freiheitsorientierter als ihre Eltern und Großeltern, sondern auch als ihre westdeutschen Altersgenossen. Die Ergebnisse der Studie haben außerdem gezeigt, dass die Bevölkerung in Westdeutschland diesem Wert eine hohe Bedeutung beimisst. Untersucht man dann jedoch die persönliche Lebenseinstellung der Bevölkerung etwas genauer, lässt man dem Einzelnen die Wahl zwischen Freiheit, Gleichheit oder Sicherheit, fällt die Entscheidung oft zu Ungunsten der Freiheit aus. Dabei ist festzustellen, dass es im Westen kaum Unterschiede zwischen der jungen und der älteren Generation gibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2006
Für "höchst lesenswert" hält Gerd Habermann dieses Buch über das Verhältnis der Deutschen zur Handlungs- und Entscheidungsfreiheit, das Thomas Petersen und Tilmann Mayer vorgelegt haben. Den Autoren gelingt es seines Erachtens, auf Grundlage diverser empirischer Untersuchungen aus dem Hause Allensbach das ambivalente Verhältnis der meisten Deutschen zur Freiheit herauszuarbeiten. Der abstrakten Wertschätzung der Freiheit stehen demnach in der Praxis andere, als wichtiger beurteilte Werte gegenüber, wie etwa die soziale und die innere Sicherheit, die Gleichheit oder die "soziale Gerechtigkeit". Über diese Einsichten kommt Habermann ins Räsonieren über das zum Pessimismus neigende Menschenbild der Deutschen und ihr fehlendes Vertrauen in die Fähigkeiten des Einzelnen. Erfreut nimmt er schließlich den Hinweis der Autoren zur Kenntnis, dass bei den Ostdeutschen unter 30 Jahren die Freiheit einen weit höheren Stellenwert einnehme als bei ihren Altersgenossen im Westen oder bei der älteren Generation im Osten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2006
Thomas Petersens und Tilman Mayers Studie über den "Wert der Freiheit" hat Rezensent Wilfried von Bredow nicht wirklich überzeugt, auch wenn er die Einschätzung der Autoren, in Deutschland sei die Freiheit zur Eigenverantwortung nicht genügend entwickelt, durchaus teilt. Das Hauptproblem der Arbeit sieht er darin, dass die Autoren immer wieder das Wünschen und das Analysieren vermischen. Das trübt seines Erachtens die Präzision der vorgetragenen Thesen. Er hält den Autoren zudem vor, nicht wahrhaben zu wollen, dass mit dem Wertewandel in den westlichen Ländern während der späten sechziger und siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts vielfach eine Erweiterung der subjektiven Freiheit einherging. Stattdessen behaupteten sie, ohne dafür Belege vorzulegen, der Stellenwert der Freiheit sei damals insgesamt abgesunken. Insgesamt löst die Arbeit beim Rezensenten eine gewisse Ratlosigkeit aus. Jedenfalls kann er sich nicht des Eindrucks erwehren, dass sich die Autoren bei dieser Studie "ein wenig vergeigt haben".
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