Man kann die Freiheit nur wahrnehmen, wenn man gesichert ist; aber die Bemühungen um Sicherheit gefährden die Freiheit. Die berechtigte Sorge um die Bedingungen der Möglichkeit von Freiheit lässt uns die Freiheit selbst vergessen und errichtet das soziale Gefängnis, das heute vorsorgender Sozialstaat heißt. Dieses Gefängnis braucht keine Ketten und Schlösser. Die Angst vor der Freiheit schließt die Menschen ein. Nicht Freiheit wollen sie, sondern Glück. Aber das unmittelbare Interesse am Glück ist kurzschlüssig. Wer das Glück sucht, muss einen Umweg nehmen - über die Freiheit.
Rudolf Walther mag dieses Buch nicht ernst nehmen. Entsprechend süffisant fällt seine Besprechung von "Die ungeliebte Freiheit - Ein Lagebericht" aus. Als geistige Schutzpatronen für seine Idee einer "großgeschriebenen" Freiheit der Wenigen, Mutigen, Großen, die von der kleinen bürgerlichen Freiheit der Vielen zu unterscheiden ist, hat sich der Autor laut Walther "Freiheitskämpfer" wie Carl Schmitt und Martin Heidegger sowie eine Schar weiterer rechter Gesinnungsgenossen ausgesucht. Da überrascht es ihn nicht wirklich, dass Bolz Kant links liegen lässt, die Unterwerfung der Vernunft unter den Glauben predigt, gegen den Sozialstaat und die öffentliche Meinung wettert und das Fehlen einer "Tugend der Risikobereitschaft" beklagt. Die Vorstellungen des Professors für Medienwissenschaft zu Medien und Öffentlichkeit findet er geradezu "einfältig". Wie auch immer: die von Bolz verachtete "kleine Freiheit" der Meinung, so der Rezensent, "gilt auch für geschwätzige und konformistische Professoren".
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