Tim B. Müller (Hg.), Adam Tooze (Hg.)

Normalität und Fragilität

Demokratie nach dem Ersten Weltkrieg
Cover: Normalität und Fragilität
Hamburger Edition, Hamburg 2015
ISBN 9783868542943
Gebunden, 520 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Demokratie ist stets doppelgesichtig, geprägt sowohl von Instabilität als auch von Stabilität. Heute ist es die Fragilität, die mit der Rede von der bedrohten Demokratie in den politischen Vordergrund rückt. Der Blick zurück in die Epoche, in der die Demokratie das politisch Neue war und zur Normalität wurde, als sie in vielen europäischen Gesellschaften gleichzeitig zur Regierungs- und Lebensform wurde, führt nicht nur die Bedingungen für den Zusammenbruch von Demokratien vor Augen, sondern eröffnet vor allem Einsichten in die erstaunliche Wandlungs- und Handlungsfähigkeit von Demokratien, die sie auch extreme ökonomische und politische Krisen überstehen ließ. Mit Texten von Laura Beers, Elisabeth Dieterman, Moritz Föllmer, Ben Jackson, Till Kössler, Urban Lundberg, Helen McCarthy, Stefanie Middendorf, Philipp Müller, Jeppe Nevers, Philipp Nielsen, Andrea Orzoff, Johanna Rainio-Niemi, Andrea Rehling, Hedwig Richter, Benjamin Schröder, Jason Scott Smith, Jessica Wardhaugh

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2016

Ignaz Miller ist den Herausgebern Tim B. Müller und Adam Tooze durchaus dankbar, dass sie der Versuchung nicht widerstehen konnten, die Vielfalt, die der Titel ihres Sammelbandes eröffnet, auch abzubilden. Mit etwas Geduld, meint er, erhält der Leser dafür interessante Einblicke in die Entwicklung der Demokratie in Europa nach dem Ersten Weltkrieg, etwa am Beispiel Finnlands oder des republikanischen Spanien. Dass die meisten Essays im Band lesbar auch für Laien sind, hält Miller den Verfassern zugute. Laura Beers Text über "Frauen für Demokratie" wird ihm so zur inspirierenden Lektüre. Über die Suggestionskraft alternativer Regierungsformen hätte der Rezensent gerne mehr erfahren, ebenso über die Rolle der Industrie für die Entwicklung in Deutschland.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2015

Mit "Normalität und Fragilität" ist den Autoren Tim B. Müller und Adam Tooze ein kluges und lehrreiches Buch über die Geschichte der Demokratie nach dem Ersten Weltkrieg gelungen, schreibt Alexander Gallus. Anhand von vergleichenden Betrachtungen zu Europa und Nordamerika erfährt der Kritiker im ersten Teil des Buches wie das ebenso brüchige wie verheißungsvolle Versprechen der Demokratie eine neue Wählerschaft ausbildete, die aktive Staatsbürgerschaft ausweitete und der öffentlichen Meinung mehr Bedeutung zugestand, zugleich aber auch politischen Kontrollverlust bedingte. Mit großem Interesse liest der Rezensent darüber hinaus die Entwicklungen in einzelnen Nationalstaaten nach, lobt insbesondere Tim B. Müllers Darstellung des Wirkens deutscher "Keynesianer" und lernt in den erhellenden Aufsätzen dieses Bandes nicht zuletzt wie ambivalent und bisweilen grotesk sich der Demokratiediskurs in den Zwischenkriegsjahren darstellte.
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