Philipp Reemtsma (1893-1959) wurde schon zu Lebzeiten als "deutscher Zigarettenkönig" bezeichnet. Sein noch junges Unternehmen erreichte in den 1920er Jahren eine marktbeherrschende Stellung und lenkte bald die Geschicke der gesamten Branche.Wie waren der rasante Aufstieg und die Festigung dieser Stellung möglich? Der Autor analysiert erstmals die Machttechniken und Machtbeziehungen eines Unternehmens, das in beispielloser Weise auf das Handeln seiner Konkurrenten Einfluss nehmen konnte und auch die regulativen Rahmenbedingungen der Industrie mitgestaltete. Netzwerke und beste Kontakte zur Ministerialbürokratie gehörten ebenso dazu wie Zuwendungen für die NS-Elite in Millionenhöhe.Die von Reemtsma gepflegte paternalistische Haltung gegenüber der Konkurrenz fand ihre Fortsetzung in der Frühzeit der Bundesrepublik. Aus diesem Grund wird das Beispiel des größten deutschen Zigarettenherstellers zu einer Fallstudie moderner unternehmerischer Macht zwischen Kontinuität und Wandel, bei der in komplexer Weise zentrale Fäden deutscher Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts zusammenlaufen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2008
Dem spektakulären Aufstieg des Familienunternehmens Reemtsma und den Ursachen seines Erfolges widmet sich diese neue Unternehmensgeschichte von Tino Jacobs. Rezensent Hartmut Berghoff rekapituliert kurz einige wesentliche Stationen dieser Erfolgsgeschichte. Berghoff zufolge konzentriert sich die Darstellung weniger auf die kluge Unternehmensführung in der Aufbauphase der 20er Jahre als auf den Umgang mit Macht als Schlüssel zum Erfolg. So gelang es dem Unternehmen durch Opportunismus und Bestechung, von der Politik der Nazis zu profitieren. In der Nachkriegszeit konnte sogar die Steuergesetzgebung zu eigenen Gunsten beeinflusst werden. Eine geschickte Machtpolitik, Überschreitungen der Grenzen der Legalität sowie ethische und politische Indifferenz hielten das Unternehmen auch über historische Brüche hinweg an der Spitze seiner Branche, konstatiert Berghoff. Er bescheinigt dem Autor eine sorgfältige Quellenauswertung und einen flüssigen und verständlichen Stil und lobt die sachliche Argumentation, die auf einen Anklagegestus verzichte. Gerade deswegen trete die "dunkle Seite dieser unternehmerischen Erfolgsgeschichte" zutage.
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