Das vorliegende Buch untersucht die Geschichte des Werkes Hoechst als Teil des I.G. Farben Konzerns im Dritten Reich. Auf der Grundlage umfangreicher Archivrecherchen widmet sich der Autor der Frage nach dem Verhältnis von Werksleitung und Belegschaft zur NSDAP und ihren Organisationen. Ein besonderes Augenmerk legt er dabei auf die Frage nach den Handlungsspielräumen einer von Staat und I.G. Farben gleichermaßen beeinflussten Werksleitung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.01.2006
Als "beeindruckende Studie" würdigt Jörg Später diese Arbeit über das I.G. Farben Werk von Hoechst im Dritten Reich, die der Wirtschaftshistoriker Stephan H. Lindner im Auftrag von Hoechst, verfasst hat. Die Schilderung der skrupellosen Komplizenschaft von Hoechst findet er "quellennah und detailliert". Linder belege, wie tief die NS-Ideologie das Management des Werks durchdrungen hatte, und zeige darüber hinaus das Bemühen der leitenden Direktoren nach dem Krieg auf, den "Opfern" der Entnazifizierung, nicht etwa den Opfern des NS-Regimes, zu helfen. Einen Schwerpunkt des Buches sieht Später in der Darstellung der Nazifizierung des Werkes in den 30er Jahren. Verstärkte Aufmerksamkeit schenke Linder zudem den "Fremdarbeitern" sowie dem Thema Medikamente und Menschenversuche. Später merkt an, dass Peter Hayes, der führende Historiker der IG-Farben-Geschichte, nach der Lektüre von Lindners Studie angekündigt habe, seine Interpretation, wonach sich die IG Farben gegenüber den Nazis weitgehend reaktiv verhalten hätten, zu überdenken. "So widerlegt", resümiert der Rezensent, "dieses akribisch recherchierte Buch die geläufige Meinung, der Nationalsozialismus sei doch längst erforscht".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2005
Als "wichtiges Buch über den Unternehmensalltag im Dritten Reich" würdigt Jürgen Jeske diese Arbeit des Historikers Stephan Lindner, die diese Zeit aus der Sicht des I.G.-Farben-Werkes Frankfurt-Hoechst detailliert schildert. "Sehr überzeugend" findet Jeske, wie Linder die Auswirkungen des Nationalsozialismus im überschaubaren Bereich des Werkes, das Verhaltens der Werksleitung und das Handeln einzelner Mitarbeiter analysiert. Er hebt hervor, dass Jeskes kritische Aufarbeitung der Geschichte des Hoechst-Werkes, die auch Verständnis für Zeitumstände und Zwänge zeigt, in der moralischen Beurteilung "keine Zweifel" lässt. So zeige Jeske etwa, wie Manager zu willfährigen Helfern des Regimes wurden, wie Karrieresucht und Opportunismus, politischer Zwang, unangebrachte Pflichtgefühle in einem verbrecherischen Krieg und ideologischer Fanatismus zum Verrat an zuvor gültigen ethischen Normen führten. Als "besonders verdienstvoll" erachtet Jeske das Kapitel über den Umgang mit der Vergangenheit nach 1945, das belege, wie bis in die sechziger Jahre verschwiegen und beschönigt wurde, und ebenso, wie in der Politik die Kontinuität der Eliten erhalten blieb.
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