Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2000
Die Überschrift der Rezension - "Dieses Buch gehört Bettina" - ist eine grobe Irreführung. Denn in wessen Gesellschaft findet sich der Leser gleich im ersten Absatz? Gadamers und Derridas. Deprimierend. Martina Bretz zeichnet recht ausführlich den Versuch des Autors nach, die beiden alten Herren ins Gespräch zu bringen, um sie "kritisch aneinander zu reflektieren". Als Köder dient ihm Hegel an der Heideggerschen Angel (vielleicht ist es auch umgekehrt). Jedenfalls deuten der Hermeneutiker Gadamer und der Dekonstruktivist Derrida die "dialektische Erfahrung um die existenzielle des `Seins zum Tode`" ganz unterschiedlich, schreibt Bretz: "Derrida eliminiert das Sein, Gadamer den Tod". An dieser Stelle enthält sich Bretz leider einer Wertung. Nach ihrer Beschreibung scheint der Autor am Ende einigermaßen unzufrieden mit seinen Gesprächspartnern zu sein. Schafe im Wolfspelz sind es, die Konsequenz vermissen lassen, denn Gadamer, so zeigt sich, hat auch Methode und Derrida vertritt - obwohl er das Gegenteil behauptet - einen `emphatischen Autorenbegriff`. Und dann kommen wir doch noch zu Bettina. Auf der Suche nach dem "offenen Dialog" hat der Autor nämlich auch Briefe von Musil, Friedrich Schlegel und Bettina von Arnim zu Rate gezogen. Der Rezensentin erscheint das als Absturz. Sie bezweifelt, dass "sich die Probleme der Dialektik durch den Austausch von Briefen und Küssen lösen lassen". Wir nicht.
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