Ruth Sonderegger

Für eine Ästhetik des Spiels

Hermeneutik, Dekonstruktion und der Eigensinn der Kunst
Cover: Für eine Ästhetik des Spiels
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783518290934
Taschenbuch, 392 Seiten, 13,24 EUR

Klappentext

Philosophen stilisieren bis heute das ästhetische Objekt als Gegenstand der Erkenntnis und löschen damit den "Eigensinn" der Kunst aus. Ruth Sonderegger zeigt, wie eine "Ästhetik des Spiels" der Kunst gerecht werden kann.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2001

Die vorliegende Ästhetik des Spiels weist dem Rezensenten Martin Seel einen "aussichtsreichen Weg". Der Autorin gelinge, so der Rezensent, in ihrer Argumentation der Nachweis, dass weder die Hermeneutik Gadamers noch Derridas Dekonstruktion "dem Eigensinn der Kunsterfahrung" gerecht werden. "Ihre Theorie des Spiels" hingegen sieht den Ausführungen des Rezensenten gemäß in den besprochenen Theorien keineswegs Alternativen, sondern fordert das "permanente" Zusammendenken beider Ansätze. Dies wiederum erscheint dem Rezensenten ein wenig problematisch, da es jenseits einer "negativen Freiheit", die sich immer wieder von gewonnenen Kunsterfahrungen distanzieren muss, schwierig ist, zu einer "eine positiven Bestimmung der Autonomie des Ästhetischen" zu gelangen. Ebenso kritisch betrachtet der Rezensent den Begriff des Ästhetischen, der seiner Meinung nach unzulässiger Weise von der Autorin auf den Bereich der Kunstwerke eingeschränkt wird. Was somit als "aussichtsreicher Weg" von einer Ästhetik des Spiels übrigbleibt, scheint einzig die Kritik an Gadamer und Derrida und langsam begreifen wir, warum der Rezensent die Rezension mit einem Verweis auf Kant beginnt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.11.2000

Originell ist dieses Buch nicht, gibt Sascha Michel zu. Außer dem Hinweis auf eine immerhin "überraschende Komplizenschaft" zwischen Hermeneutik und Dekonstruktion, die in beider Missachtung einer autonomen ästhetischen Erfahrung liege, findet er wenig Spektakuläres. Die Annäherung der beiden Diskurse über den Spielbegriff, den die Autorin einbringt, gelinge zwar durch einen "eleganten Trick", so Michel - einem Abstecher zu Friedrich Schlegels "unendlicher Reflexion" - das Zusammendenken der beiden Prinzipien aber sei "so alt wie die Ästhetik selbst". Da Michel auch der "dialogischen Darstellungspraxis" der Arbeit eigentlich nichts abgewinnen kann, wird er diese nicht gemeint haben, wenn er abschließend schreibt, dass die unspektakulären Bücher mitunter die brauchbarsten seien.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2000

Als "ein bemerkenswertes Plädoyer für die Autonomie der Ästhetik" schätzt der Rezensent mit dem Kürzel "lx." diesen Band ein, dessen Thesen er in einer Kurzkritik wohlwollend nachzeichnet. Danach beklagt die Autorin, dass philosophische Lektüren der Kunst, wie man sie etwa bei Gadamer oder Derrida findet, die Kunst zu einem Mittel der Wahrheitsfindung machen, und dies selbst, wenn man sie wie Derrida "subversiv" lesen will. Dagegen setzt sie nach Auskunft des Rezensenten einen Begriff des Spiels, den sie bei Schlegel entlehnt. Und in diesem Spiel, so scheint es, entzieht sich die Kunst selbst dem Zugriff der Philosophen.

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…