W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2026
ISBN
9783170471702 Gebunden, 260 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Wir ändern uns - auch im Denken. Wolf Biermann hat dafür die knappste Formel gefunden: "Ich bin immer häufiger nicht mehr meiner Meinung." Dieses Staunen über sich selbst ist der Ausgangspunkt dieses Buches. Die Herausgeber Ulli Kulke und Reinhard Mohr versammeln zwölf Autorinnen und Autoren, fast alle geprägt von 68, linken Milieus oder der grünen Bewegung. Sie fragen sich, wie es dazu kam, dass sie heute nicht mehr von der Revolution träumen und nicht mehr an den Sozialismus glauben; dass sie den Staat weder verteufeln noch vergöttern; dass Marktwirtschaft, parlamentarische Demokratie und Rechtsstaat für sie zu den großen Errungenschaften zählen; und dass ihnen die Freiheit so wichtig ist, dass sie auf betreutes Denken und Sprechen gut verzichten können. Erzählt wird anschaulich und persönlich: von Irrtümern und Kurskorrekturen, von Widersprüchen, von komischen und bitteren Momenten. Zu den Autoren gehören Ulrike Ackermann, Henryk M. Broder, Mathias Brodkorb, Monika Gruber, Antonia Grunenberg, Hubert Kleinert, Monika Maron, Harald Martenstein, Dieter Nuhr, Andreas Rebers, Samuel Schirmbeck und Peter Schneider.
Die Freiheitsforscherin Ulrike Ackermann legt in dem Band "Wenn das Denken die Richtung ändert" einen autobiografischen Essay vor, den der Perlentaucher vorabdruckt: "Einmal Dissident, immer Dissident?". Sie erzählt, wie sie sich sehr früh dissidentischen Kreisen in Osteuropa annäherte. 1978 kam sie in Prag für einige Wochen ins Gefängnis. Danach "war für mich nichts mehr wie vorher. Es war ein gewaltsames Ein- und Untertauchen in einer grauenhaften Welt mit völlig anderen Maßstäben, Prozeduren, Verkommenheiten und Abgründen, denen ich mich nicht entziehen konnte - ein Bruch mit meinem bisherigen Leben. Ich brauchte ungefähr ein halbes Jahr, um mich, wieder in Freiheit, zu sortieren. Und kam mir mit dieser Erfahrung in meinen 'westlichen' Freundes- und politisch-intellektuellen Kreisen sehr fremd vor. Es gab dort immer noch genügend Leute, die auch nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 die kommunistischen Regime weichzeichneten." Unser Resümee
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