Die Frau als Mensch
Am Anfang der Geschichte

Reprodukt Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783956404450
Gebunden, 256 Seiten, 29,00
EUR
Klappentext
Stolze Hüften aus Knochen, Stein, gebranntem Ton. Wir nennen sie Göttinnen, doch wer oder was waren sie wirklich? In Büchern über die Steinzeit sehen wir vorrangig Männer beim Jagen, Feuerstein schlagen oder Höhlen bemalen. Die meisten Menschenbilder aber, die uns von Eiszeitmenschen selbst hinterlassen wurden, zeigen Frauen. Was waren das für Gesellschaften, die sie und ihr Geschlecht so zentral und ohne Scham darstellten? Nach Jahren der Recherche kehrt Ulli Lust zurück mit ihrem groß angelegten Sachcomic über die Anfänge der Kunst und die Bedeutung der Empathie für das Überleben unserer Spezies: Rund um die archaisch-weiblichen Figurinen entfaltet sich eine vergessene Welt, in der die Heldenreise Gruppensache war, die nur gemeinsam bestanden werden konnte, von Frauen, Männern, Kindern oder auch nichtbinären Menschen in mitunter reich geschmückter Rolle.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.06.2025
Rezensentin Judith von Sternburg stellt anerkennend fest, wie viel Recherche und ästhetische Vorarbeit in den soeben mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichneten Band von Ulli Lust geflossen ist: Auf faszinierend "klar konturierte" Weise stellt Lust dar, wie die Frühgeschichte der Menschheit auch von Frauen beeinflusst und gemacht wurde. Schon auf dem Titel ist eine vulvaförmige Höhle zu entdecken, Lust räumt im Folgenden mit dem Gerücht auf, Frauen hätten in der Eiszeit nichts zu sagen gehabt und immer nur Kinder großgezogen. Auch Menschenaffen, Klimawandel und Rassismus sind Themen, die Sternburg in lebhafter Aufbereitung hier neu entdecken kann. Die Autorin schaffe es zudem, das Ganze mit Lockerheit anzugehen und trotzdem gewohnte Perspektiven neu zu öffnen. Besonders hebt die Kritikerin hervor, welch gelungene Verbindung Text und Bild eingehen und freut sich schon auf den zweiten Teil.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2025
Als stark erzählten Sachcomic versteht Andreas Platthaus Ulli Lusts für den Deutschen Sachbuchpreis nominierten Band. Bemerkenswert findet der Rezensent diese erste Nominierung eines Comics für die Auszeichnung. Lusts Arbeit erfüllt qualitativ die Anforderungen, stellt er fest. Der Band, für den eine Fortsetzung bereits angekündigt ist, behandelt laut Platthaus sowohl Lusts Kindheit in der Wachau und ihre Selbsterfahrung als Frau als auch die Rolle der Frau "im anthropologischen Sinne". Im Band also stehen recherchierte und mit Quellenangaben versehene Kultur- und Menschheitsgeschichte und subjektive Erfahrung gleichwertig nebeneinander, wie der Rezensent erkennt. Ein Unterschied zu gängigen Sachbüchern, meint Platthaus.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 29.03.2025
In "Die Frau als Mensch - Am Anfang der Geschichte" verfolgt Ulli Lust die Darstellung und Rolle von Frauen bis in die Steinzeit, erzählt Kritiker Christoph Haas. So zeigt sie etwa, dass uralte Frauenfiguren sich durch eine viel selbstbewusstere Haltung, dabei mit "opulenten Formen" und "deutlich sichtbarer Scham", auszeichnen als etwa griechische Statuen der nackten Aphrodite, staunt Haas; und auch wie Lust anhand vieler am Ende des Buchs aufgelisteter historischer Quellen zeigt, dass viele Geschlechterbilder - wie beispielsweise die binäre Jäger-Sammler-Logik - schon widerlegt wurden, findet der Kritiker spannend. Das eigentliche Verdienst von Lust sei jedoch, dass sie diese Wissensvermittlung mit einem großen Comic-Talent verbinden könne: somit gelinge ihr eine "aufs Angenehmste belehrende" Graphic Novel, die dem Kritiker Lesegenuss bereitet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.03.2025
Die Comickünstlerin Ulli Lust traut sich was, hält Kritikerin Martina Knoben nach Gespräch und Lektüre ihres neuesten Comics über die menschliche Frühgeschichte und die Rolle der Frau darin fest. Grabungsfunde bringen darin Skelette ans Tageslicht, die wegen der "starken Schultern" zunächst für männlich gehalten wurden, bis den Forscherinnen und Forschern die breiten Becken auffielen. Das kooperative Sozialleben der Menschen wird ebenso behandelt wie die weibliche Anatomie, erfahren wir. Knoben kann beispielsweise eine Vielzahl verschiedener Vulven, vorwiegend in Ockertönen, erblicken. Ihr gefällt, wie viel Vergnügen der Comic bereitet und wie er wissenschaftliche Erkenntnisse über die Frühzeit mit der Lust-typischen Offenheit kombiniert.