Das Verhältnis zwischen den USA und Europa ist seit langem ambivalent. Europa schaut zugleich mit Faszination und Befremden auf die USA. Auch in Zeiten großer Begeisterung, wie sie der Aufstieg Barack Obamas und seine Wahl zum Präsidenten der USA ausgelöst haben, bleibt auf beiden Seiten ein Rest von Unverständnis. Ulrich Haltern erklärt dies mit unterschiedlichen Vorstellungswelten des Politischen. Nicht der Unterschied in Antworten auf Sachfragen, sondern eine fundamentalere Differenz dessen, was man als "soziale Imagination" bezeichnen kann, markiert den Ort des Befremdens: Wir leben in unterschiedlichen symbolischen Formen des Politischen. Das Buch stellt Barack Obama in den Mittelpunkt. Es zeigt, dass er sich ein Modell des amerikanischen Staates zu eigen macht, das organischer Natur ist und auf Verkörperung setzt. Es besitzt ein großes Bewahrungsmoment, stützt sich auf historische Vorbilder und steht in Kontrast zum diskursiveren europäischen Modell, das stärker um das Wort als um den Körper kreist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.02.2010
Ulrich Halterns Buch über den politischen Habitus Obamas und die politische Theologie der Vereinigten reizt Rezensent Urs Hafner durchaus zum Widerspruch. Die Bewunderung des Autors für die durch Obana wiedererweckte politische Leidenschaft Amerikas, für das Politische "a l'americaine" überhaupt, betrachtet er eher verhalten. Auch Halterns Bedauern über die Verbannung des "Heiligen" aus den europäischen Demokratien sieht Hafner zurückhaltend. Allerdings will er Halterns "Flirt mit dem Politischen in seiner vormodernen Gestalt" nicht gänzlich abbügeln. Schließlich verdeutlichen die Erfolge rechter Parteien für ihn, wie lebendig der Wunsch nach einer starken Autorität und der Verschmelzung mit einem großen Ganzen immer noch ist. "Dagegen", so sein Resümee. "helfen freilich - hoffentlich - nüchterne rechtsstaatliche Prinzipien mehr als das Beten des Rosenkranzes."
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 14.10.2009
So richtig überzeugend findet die Rezensentin Doris Akrap nicht, wie der Rechtsphilosoph Ulrich Haltern Obamas Wahlsieg begründet - und vor allem, welche Rückschlüsse der Autor aus seinen Beobachtungen zieht. Die Gründe für Obamas Erfolg sieht der Autor nach Akraps Meinung darin, dass er nicht nur zu seinem "eigenen Körper ein dezidiertes Verhältnis hat", sondern auch zu dem der "amerikanischen Nation", die er als Summe der "individuellen Körper" begreift. Mit der Schlussfolgerung, die Haltern aus seiner These zieht - nämlich, dass in den USA eine "naturalistische Vorstellung vom Politischen" dominiert - ist Akrap jedenfalls nicht einverstanden. Die erscheint ihr einfach nur "ein wenig befremdlich."
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