Ein Kind wächst heran, auf einem Hof im Süden Deutschlands. Vater? Mutter? Sind nicht da. Es muss sehen, wie es zurechtkommt, mit Menschen, die vorschreiben, was es tun soll, ohne Liebe. Wo die Mutter ist und wo der Vater, die Frage zieht sich als Geheimnis durch diese auf bittere Weise schöne Geschichte einer Kindheit im schweigenden Deutschland. Lang ist der Krieg noch nicht vorbei, die Vögel singen, die Obstbäume blühen, die Wiesen hinterm Hügel sind der sichere Ort für dieses Kind, das zu verstehen sucht, warum die Menschen - der Pfarrer, der Lehrer, Onkel, Tante, die Kinder drumherum - so oder anders zu ihm sind. Arbeiten muss das Kind, auch, wenn die Schule ruft. Allein ein Großvater schaut von Zeit zu Zeit nach dem Rechten und nimmt es an der Hand.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2024
Rezensent Jan Wiele stößt in Ulrich Rüdenauers Debütroman auf allerhand Deutsches: Waldeinsamkeit, Geistermusik, Provinz und auf das Wunder von Bern. Allerdings werden all diese Motive, mit denen der Autor seine Coming-of-age-Geschichte in einem Nachkriegsdorf garniert, laut Wiele immer wieder gebrochen - mal durch die dunkle Historie, mal durch einen sehr gegenwärtigen Ton. Dass die Geschichte die bösen Geister der deutschen Vergangenheit ausgerechnet mit den Weltmeistern von 1954 vertreibt, hält Wiele für einen raffinierten Kniff.
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