Wer ans Erben und die "Erbengesellschaft" denkt, denkt an Geld und anderen Wertbesitz, der von einer auf die andere Generation übertragen wird. Dem bislang unbeachteten Erbe, das sich nicht in Heller und Pfennig rechnen lässt, ist diese Ethnografie gewidmet: Warum werden ein Krückstock, ein Füller oder ein abgegriffenes Lexikon als Erbe bezeichnet und auf besondere Weise behandelt? Weshalb führen die kleinen Dinge oft zu großem Streit? Wie funktionieren Erinnerung und Gedächtnis über "material culture"? Ulrike Langbein ist dem ideellen Wert der Alltagsgegenstände und ihren kulturhistorischen und aktuellen Bezügen auf der Spur. Sie stellt das Erben erstmalig als kulturelle Praxis dar; als einen Prozess, der in seinen ästhetischen Formen, sozialen Funktionen und symbolischen Gehalten untersucht wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.02.2003
Ulrike Langbeins Untersuchung der symbolische Bedeutung von geerbten Dingen hat Rezensentin Franziska Sperr alles in allem überzeugt. Die Wissenschaftlerin gerate in ihren ausführlichen Interviews mit Erben mitten hinein in die emotionale Dynamik der Familien, berichtet Sperr. Denn, so erklärt sie, Erben sei immer verbunden mit starken Gefühlen von Liebe und Dankbarkeit, Bewunderung oder Neid, Schuld und Abhängigkeit oder Missgunst unter Geschwistern. Überhaupt zeigt Langbein laut Sperr, dass Erben etwas sehr dramatisches und konfliktträchtiges sein kann, da Emotionen und materielle Interessen dabei eng ineinander verwoben sind. Insgesamt hält Sperr das Buch für sehr interessant. Bedauerlich findet die Rezensentin nur, dass es sich um eine "typische deutsche Dissertation" mit den "üblichen sprachlichen Gebrechen" handle. "Es wäre dem Buch wohl bekommen", moniert Sperr, "wenn die Autorin sich etwas weniger beflissen der Renommiersprache ihres Fachs angepasst hätte."
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…