Die Gesellschaft spaltet sich in jene, die hohe Vermögen haben und immer mehr Reichtum anhäufen können, und in jene ohne Vermögen, die trotz großer Anstrengungen kaum auf einen grünen Zweig kommen. Diese Entwicklung beunruhigt sowohl Verfechter der Markt- und Eigentumgesellschaft als auch ihre Kritiker. Nach seinem Buch "Der Superstaat" knöpft sich Beat Kappeler dieses Problem vor. Weshalb ballen sich Vermögen? Wer sabotiert die bessere Verteilung? Und was ist dagegen zu tun?Das Buch untersucht die ökonomischen und gesellschaftlichen Ursachen für die Zweiteilung der Menschen in Besitzende und Nicht-Besitzende. Es analysiert, wie die finanziellen Abläufe - Geldmenge, Aktien, Kreditwesen und anderes - die Verteilung beeinflussen. Kappeler seziert die "Finanzialisierung", also den zunehmenden Trend, ohne reale Güterproduktion nur mit Finanzinstrumenten Kapital zu akkumulieren. Ohne Scheu vor Tabubrüchen zeigt er, wie solche Instrumente gerade zur besseren Vermögensverteilung eingesetzt werden können oder auch, wie Unternehmen mit Formen der Mitarbeiterbeteiligung besser auf die Teilhabe aller hinwirken können. Anstelle einer einzigen, großen Lösung klären sich so vielfältige Chancen der Vermögensstreuung, die eigentlich vor der Türe liegen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2022
Rezensent Christoph Eisenring hat nichts einzuwenden gegen den Vorschlag des Ökonomen und NZZ-Autors Beat Kappeler, jeder möge doch selbst für sein Fortkommen, genauer für eigenen Besitz und Kapital sorgen. Welche Wege zur Eigentümerschaft der Autor sich vorstellen kann, darum geht es laut Eisenring in diesem Buch. Wenn Kappeler die Geschichte der britischen Warenhauskette John Lewis erzählt, das seinen Angestellten gehört, lauscht Eisenring interessiert, stört sich aber daran, dass der Autor hier "linke Narrative" von der Finanzialisierung der Börsenmärkte übernimmt. Wie genau sich Vermögen bilden ließe, auch diese Frage kommt im Buch etwas zu kurz, kritisiert der Rezensent.
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