Die politische Regulierung der Vermögensweitergabe und individuelle Erbregelungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Vererben von Vermögen stabilisiert die Gesellschaftsordnung. Erbregelungen können soziale Ungleichheitsverhältnisse in die Zukunft fortschreiben oder zu Enttäuschungen übergangener Familienmitglieder führen. Da das Vererben soziale Gerechtigkeits- und Familienvorstellungen berührt, ist seine Regulierung politisch höchst umstritten. Obwohl die jährlich vererbten Vermögen in den letzten Jahren immer neue Rekordhöhen erreichten, ist die Vorgeschichte dieser gegenwärtigen Entwicklung bisher kaum erforscht. Ronny Grundig untersucht den Wandel der Vermögensvererbung vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Ende der 1980er Jahre. Er blickt auf politische Regulierungen,die Praktiken des Vererbens und die Aneignung des Erbes durch die Hinterbliebenen. Der Autor analysiert die Steuervermeidung Vermögender sowie Konflikte zwischen Erben und Erbinnen. Ebenso zeigt er den Wandel von Paar- und Familienbeziehungen beim Vererben, die sich in den Testamenten niederschlagen und die Verteilung der hinterlassenen Vermögen beeinflussen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 07.03.2022
Angesichts stagnierender Erbschaftssteuerreformen hält Rezensentin Vivien Leue die Dissertation von Ronny Grundig für lesenswert. Als Debattenbeitrag taugt der Band laut Rezensentin, da der Autor die Erbschaftspraxis im Vergleich zwischen Deutschland und Großbritannien zwischen 1945 und 1990 beleuchtet und dabei die Auswirkungen der hiesigen vergleichsweise niedrigen Erbschaftssteuer offenlegen kann. Inwiefern es sich beim Erbe um mehr als um einen Vermögenswechsel handelt, nämlich um einen gesellschaftsverändernden Akt, vermag der Geschichts- und Sozialwissenschaftler Grundig der Rezensentin zu erklären, indem er die politischen und steuerrechtlichen Debatten in Großbritannien und bei uns nachzeichnet.
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