Herausgegeben von Metro Zones. In den letzten Jahrzehnten haben sich die sozialen Organisationsformen in den Armutsvierteln der Großstädte drastisch gewandelt. Wo früher links-säkulare Bewegungen großen Einfluss hatten, dominieren heute vielerorts religiöse Akteure den städtischen Alltag. Gemeinhin geht es in den internationalen Debatten um städtische soziale Bewegungen fast ausschließlich um Gruppierungen, die eher klassischen Vorstellungen von Mobilisierung und Organisierung folgen. Religiös geprägte Bewegungen oder Glaubensgemeinschaften entsprechen diesem Bild in der Regel nicht. Zum anderen wird die heute unübersehbare öffentliche Präsenz neuartiger Religionsgemeinschaften, die in den Städten zunehmend als politische Akteure auftreten und im globalen Süden sogar häufig ersatzstaatliche Rollen einnehmen, bislang selten wissenschaftlich untersucht oder politisch diskutiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.10.2011
Mit großem Interesse hat Rezensent Till Briegleb diesen Band gelesen, der sich einer bisher kaum beachteten Thematik widmet: dem Verhältnis von Religion und Stadtplanung. Entgegen allen Prophezeiungen von der Entzauberung der Welt stellen die Autoren des Berliner Urbanisten-Kollektiv metroZones fest, dass der organisierte Glauben in den Metropolen der Welt mehr Einfluss hat als jemals zuvor. Die Pfingstkirchen mit ihren gigantischen Prayer Cities in Nigeria, segregationistische Hindu-Nationalisten und israelische Siedlungen dienen den Autoren als Belege für ihre These. Bemerkenswert findet Briegleb auch den Beitrag von Asef Bayat, der feststellt, dass die islamische Revolution im Iran nicht von den "Urban Poor" getragen wurde, sondern von den begüterten Mittelschichten. Dass die Autoren am Ende des Bandes nicht für einen Kampf gegen die Religionen, sondern für eine "respektvolle Allianz" plädieren, unterstützt der Rezensent.
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