Li Wanwei, Pun Ngai

Dagongmei

Arbeiterinnen aus Chinas Weltmarktfabriken erzählen
Cover: Dagongmei
Assoziation A Verlag, Hamburg 2008
ISBN 9783935936736
Gebunden, 227 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Mit Chinas rasanter Entwicklung vom maoistischen Armenhaus zum "Fließband der Welt" entstehen neue Arbeitersubjekte, darunter die Dagongmei, wörtlich: arbeitende Schwestern. Millionen junge Frauen migrieren vom Land in die Städte, um dort in den Weltmarktfabriken zu arbeiten. Sie kommen als Teenager und die meisten kehren mit 25, von der Arbeit ausgelaugt, aufs Land zurück. Pun Ngai und Li Wanwei haben in der Industriestadt Shenzhen im Rahmen eines Unterstützungsprojektes Dagongmei interviewt und ihre Geschichten aufgeschrieben. Die Frauen erzählen von der Benachteiligung der Mädchen in der Familie, der Flucht aus dem Dorf, Gefahren der Wanderung, den Bedingungen in den Betriebswohnheimen und an den Fließbändern, von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Es wird deutlich, welch bittere Erfahrungen sie machen und wie sehr sie um ihren Raum und ihre Freiheit kämpfen müssen. Gegen arrangierte Ehen, die despotischen Vorgesetzten und die Diskriminierung durch die lokalen Behörden finden sie trotz aller Probleme und Widersprüche Wege des Widerstands. Sie erkämpfen sich ein neues Selbstbewusstsein, und manche organisieren Petitionen, Demonstrationen und Streiks.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.11.2009

Wie sich junge Wanderarbeiterinnen in China gegen das Patriarchat und gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen wehren, erfährt Anke Schwarzer auch ohne Vorkenntnisse bei dieser Lektüre. Die zwölf biografischen Berichte findet sie informativ ergänzt und eingeordnet durch die beiden Autorinnen des Bandes, die NGO-Aktivistinnen Pun Ngai und Li Wanwei. Durch die "erschütternden Berichte" wird der Rezensentin zugleich die Zwiegespaltenheit der Frauen bewusst, zwischen Freiheit und Familie, Stadt und Land. Bedauernswert findet sie den Verzicht auf Firmennamen im Text und weitergehende Hinweise auf das Engagement europäischer oder amerikanischer Initiativen für bessere Arbeitsbedingungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.08.2008

Sehr lesenswert findet Matthias-Martin Becker dieses Buch des Autorenduos Pung Ngai und Li Wanwei, das nun erstmals auf deutsch erschienen ist. "Dagongmei" (arbeitende Schwestern) porträtiert chinesische Wanderarbeiterinnen, die, von Not und großen Hoffnungen getrieben, in den Fabriken der Großstädte am Existenzminimum leben. Ohne sie wäre der sagenhafte Aufschwung Chinas wohl kaum möglich gewesen, bemerkt der Rezensent. Verstörend-bewegend seien die Interviews, die die junge Soziologin Pung Ngai mit einigen Frauen geführt hat und die deutlich die Ambivalenz des gegenwärtigen epochalen Umbruchs zeigten. Ebenso schätzt Becker ihren im Buch enthaltenen Aufsatz zum Thema, dessen Ausführungen zur "industriellen Knochenmühle" er für besonders aufschlussreich erachtet. Ein "eindringliches Zeugnis" sei "Dagongmei" daher, das, im Gegensatz zu vielen auf bloßen Annahmen basierenden westlichen Quellen, einen echten Einblick in die Funktionsweisen und die "Brutalität" der chinesischen Wirtschaftsmaschinerie liefere.

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