Für einen jungen Mann aus dem Hinterland wird das Basel der bewegten achtziger-Jahre zum Ort eines apokalyptischen Aufruhrs. Der Student wird zum atemlos protokollierenden und dokumentierenden Chronisten einer wie aus dem Nichts zusammenbrechenden Welt. Der kalte Krieg wird plötzlich heiß und die vertraute alte Schweiz gerät in den geopolitischen Flächenbrand. Urs Zürcher spielt in seinem Debüt mit der Frage nach einem möglichen anderen Verlauf unserer Geschichte. Eine Mischung aus historischer Wahrheit und Fiktion.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.07.2014
Urs Zürchers komplex erzählter, mit klassischen Science-Fiction-Elementen versetzter Tagebuchroman über einen alternativen Geschichtsverlauf des Kalten Kriegs ist zwar nicht leicht zu haben, erklärt Thomas Brunnschweiler, doch lohne sich die Mühe unbedingt, liege hier doch "ein Lehrstück über die Dialektik des Krieges" vor. Geschildert wird ein Zeitraum von rund zehn Jahren, in dem sich ein WG-Student aus Basel politisch radikalisiert, was schließlich den Angriff der Sowjetunion auf die Schweiz zur Folge haben wird. Sehr zu schätzen weiß der Rezensent dabei die sorgfältig recherchierten historischen Details nicht nur aus dem Alltag einer typischen WG, sondern insbesondere auch der Basler Stadtgeschichte, für deren Kenner dieser Roman damit ganz besonders ergiebig ist. Die literarische Komposition aus Stadtgeschichte, politischen Umbruchsituationen und persönlichen Verflechtungen ließ den Kritiker dabei am Ende gar nicht mehr los, so dass ihn selbst manche bösartigen Volten des Buches - unter anderem wird, welch Schmach, die NZZ nach der Besetzung der Schweiz zum Sprachrohr des Sozialismus - kaum anfassten. Zumal es dem Autor, wie der Kritiker darlegt, nicht um politische Tabula Rasa geht: Vielmehr legt er offen, wie dünn der zivilisatorische Anstrich zuweilen sein kann. Nicht zuletzt, so der Kritiker in seinem Fazit, handelt es sich hierbei um einen exzellenten literarischen Kommentar zur Mentalität der Schweiz und zum Kalten Krieg.
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